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Fußball im Problembezirk : Im freien Raum

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Vorher muss sie zum Fußballtraining, in die Schule, um Nachhilfe bitten, um acht zu Hause sein und zeigen, dass sie alles schaffen kann. Als würde ihr nicht nur ihr Trainer nachrufen: „Wo ist denn das, was du mir immer beweisen willst? Wo ist denn das?“ Zweimal die Woche geht Sarah zum Training der B-Juniorinnen ins Alte Poststadion, Sitz von SC Union 06. Der Eingang wird eingefasst von einem Untersuchungsgefängnis und einem Plus-Supermarkt und täuscht in seiner kaputten Schlichtheit über die Weitläufigkeit des verwilderten Geländes. Der neue Hauptbahnhof ist nicht weit, Pappeln schmeicheln dem Wind, und wie das raschelt. Es gibt einige Fußballbrennpunkte in Berlin, dieser Ort ist sicher keiner.

Familiäre Plagen

Der Verein hat keinen Jungen-Fußball, somit auch keine Buben, die ihre Schwestern anwerben könnten. Dass es hier seit vier Jahren Mädchenfußball gibt, liegt an Helmut Hoffmann. Der vierundfünfzigjährige Mann mit dem weißen Bart und federnden Gang trainierte fünfzehn Jahre Jungen, bis er per Flyer eine erste Mädchen-Mannschaft rekrutierte. Vor zwei Jahren stieß Sarah dazu. Sie kam vom Straßenfußball, „was nicht das schlechteste ist“, sagt Helmut. Erst hatte sie in einer Gurkentruppe gespielt, aber der dortige Trainer empfahl ihr bald den Wechsel.

Die Saison ist bald zu Ende, da gilt es, sich im oberen Drittel der Tabelle nicht abhängen zu lassen und zu beten, dass genug Mädchen zu den Ligaspielen erscheinen. Zur Not wird in Unterzahl gespielt. Wenn ein Mädchen öfter nicht kommt, heißt das, sie hat mehr Stress zu Hause als sonst. „Fehlende Unterstützung in der Familie“ nennt Helmut das, was man auch mit Ausdrücken wie Kloppe, Mamas neuer Freund, familiärer Alkoholismus oder Hausarrest bezeichnen könnte. Wenn Sarah als Mannschaftskapitän diese Mädchen anruft, hat sie wenig Trost und nur eine Bitte: „Kommst du Sonntag zum Spiel? Wir brauchen dich.“

Unter Beschuss

Fußball ist kein Ballett, auch Mädchenfußball nicht. So ein Ball ist hart, und bereits in der Altersgruppe der B-Jugend sind viele Gegnerinnen wie Mitspielerinnen schon recht entwickelt. Sie entsprechen nicht immer den grazilen Gestalten, wie man sie aus dem Film „Kick it like Beckham“ kennt. Solche gibt es auch. Aber „derbe Weiber“ wäre ein ebenso gängiger Ausdruck für einen Teil von ihnen, „Kampflesben“ ein anderer, der, so altmodisch er ist, in der Umkleidekabine noch gerne im Mund geführt wird.

Die Mädchen stehen auf dem Feld, ziehen ihre Stutzen weit übers Knie und nennen sie Strapse. Sie bespritzen sich mit Wasser aus ihren Trinkflaschen, schreien „Meine Muschi ist nass!“ Sie stecken sich einen Ball unters Hemd und behaupten: „Ich bin schwanger!“

„Von wem denn?“, fragt Helmut müde.

„Von dir natürlich!“

„Ach, das wüsste ich aber.“

Das große Ziel vom großen Fußball

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