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Für das analoge Museum : Verteidigung des Schaukastens

Ein Argusfasan im Frankfurter Senckenberg-Museum: Kann man ihn nicht auch ohne Audioguide bewundern? Bild: Senckenberg Museum

Der Multimedia-Irrsinn in den Museen hält uns vom Staunen ab. Statt selbst zu denken, lassen wir uns von Audioguides einlullen und verlernen das Fragen - ein Erfahrungsverlust.

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          Der Edwards-Zwergpapagei lebt vornehmlich in Papua-Neuguinea und hält sich am liebsten in kleinen Gruppen auf. Sein Gefieder leuchtet grün, Brust und Wangen sind rot gefärbt, über den Hinterkopf zieht sich ein helles Braun. Neben Feigen ernährt sich der vom Aussterben bedrohte Zwergpapagei hauptsächlich von Knospen, Blüten und Nektar. Wer ihn sehen möchte, muss natürlich nicht extra nach Papua-Neuguinea reisen, zumal man ihn dort wohl kaum in aller Ruhe betrachten könnte, wie das im Buchmann-Saal des Frankfurter Senckenberg-Museums möglich ist, wo zwei präparierte Exemplare auf einem Ast in einer Vitrine sitzen, umgeben von sehr vielen anderen Vögeln wie Nilgänsen oder Brillenpelikanen.

          Melanie Mühl
          Redakteurin im Feuilleton.

          Was all diese Vögel gemeinsam haben, ist: Sie bewegen sich nicht. Sie fliegen nicht, sie geben auch keinerlei Laut von sich, sie blinken weder hektisch los, noch heben sie die Köpfe, wenn man an ihnen vorübergeht. Auch ihre Füße lassen sich nicht per Knopfdruck steuern. Die Vögel stehen einfach nur herum. Und das ist das Großartige an diesem Ort: Er ist eine multimediafreie Zone, zumindest fast. Kaum Touchscreens, keine animierte Naturwelt, keine 3-D-Brillen, keine Stimmen, die, untermalt von irgendwelchem Gezwitscher, den Vogelkosmos erklären.

          Noch der letzte Winkel wird ausgeleuchtet

          Stattdessen ein Schaukasten nach dem anderen sowie eine Handvoll Tafeln, auf denen man beispielsweise erfährt, dass schon im Mittelalter Straußenfedern Ritterhelme zierten, bevor sie im achtzehnten Jahrhundert in Frankreich zum beliebten Modeschmuck avancierten, was für die Straußenvögel fatale Folgen hatte. Die sogenannten Terminals, an denen sich Details über die Tiere abrufen lassen, übersieht man in ihrer Dezenz beinahe.

          Der Buchmann-Saal wirkt wie aus der Zeit gefallen, ein Anachronismus inmitten der durchtechnisierten Erlebniswelten, auf die man in Museen häufig stößt, wo der Besucher seinen Denk- und Phantasieapparat quasi an der Garderobe abgibt und einen Audioguide in Empfang nimmt, der ihm alles erklärt. Offenbar ist das Ziel der Museumspädagogik, noch den letzten Winkel grell auszuleuchten. Man würde sich nicht wundern, bald bebrillt vor einem Bruegel zu stehen, aus dem nach und nach einzelne Figuren heraustreten und von den Mühsalen des bäuerlichen Lebens berichten. Man würde sich auch nicht wundern, von Vermeers „Mädchen mit dem Perlenohrgehänge“ Genaueres über ihren Schmuck zu erfahren oder über die eifersüchtige Ehefrau des Malers.

          Die Abschottung nimmt immer weiter zu

          Bereits heute dient das Museum nur noch am Rande als Kommunikationsraum - wer stört seine Begleitung schon gerne beim Lauschen der Audio-Stimme? Und es sieht ganz danach aus, als würde diese Abschottung weiter zunehmen. Eines der Unternehmen, die Museen mit immer neuen Erklärungsmaschinen und Ideen ausstatten, ist Antenna International, dessen Hauptzentralen in Connecticut und London angesiedelt sind. Die Firma gehört weltweit zu den Marktführern und zählt Häuser wie die Münchner Pinakothek der Moderne, die National Gallery, die Tate-Galerien, das Herge Museum oder das Bode-Museum in Berlin zu ihren Kunden.

          Unlängst schrieb ein Design-Magazin über Antenna International: „Die Produktionen erwecken Museen, historische Sehenswürdigkeiten und andere kulturelle Einrichtungen zum Leben - mithilfe von Musik, Klangeffekten, Originaltönen oder audiovisuellem Material.“ Genau genommen klingt das nicht nach einem Versprechen, sondern eher nach einer Warnung. Dahinter verbirgt sich eine Bankrotterklärung an die eigene Kreativität.

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