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Beyoncé und Jay-Z : Der Louvre als Deko

Beyonce und Jay-Z im Louvre. Bild: ddp Images

Beyoncé und Jay-Z haben ihr neues Musikvideo unter der pompösen Deckenmalerei im Louvre gedreht. Doch der Louvre spielt in dem Video eine geringe Rolle: Eher sieht es umgekehrt nach einer Übernahme des Louvre durch zwei Superstars aus.

          2 Min.

          Am Anfang hockt auf einer Balustrade ein gelockter schwarzer Engel mit weißen Flügeln in zerschlissenen Bluejeans und Turnschuhen. Dann folgt der Blick hinauf, in den Himmel der pompösen Deckenmalerei des Louvre in Paris, begleitet von einer Art heiligem Bimbam, ehe das hohe Paar selbst erscheint, vor Leonardos Mona Lisa: die amerikanische Pop-Sängerin Beyoncé und ihr Ehemann, der Rapper Jay-Z, vulgo The Carters.

          Sie in schmeichelndem Altrosa, er in smaragdenem Blaugrün, farblich fraglos passend zur Umgebung, beide geschmückt wie besonders attraktive Pfingstochsen. Man ist schließlich im Palast der ehemaligen französischen Könige. Ihr Video auf Youtube wird wohl bald vierzig Millionen Aufrufe erreicht haben – absolut verständlich, das sieht insgesamt alles sehr appetitlich aus, ganz entsprechend dem Titel des gemeinsamen Lieds zur weltöffentlichen Versöhnung des einigermaßen zerrüttet gewesenen Paars: „Apeshit“.

          Wobei das erweiterte four-letter word in diesem Fall etwas meint wie „völlig durchgeknallt“. Das trifft es auch. Denn was da gut sechs Minuten lang inszeniert wird, ist keine Kleinigkeit; das ist eine Selbstapotheose. Und die Staffage dafür stellt die Kunst in der Welt meistbesuchtem Museum – ein Spielverderber, wem da das Metropolitan in New York als Schauplatz gereicht hätte –, selbstverständlich leergeräumt von Besuchern für diesen Auftritt.

          „Everything is Love“

          Und für den müssen schon die echten Knaller-Bilder herhalten: Jacques Louis Davids Breitwand-„Krönung Napoleons“ zum Kaiser – hat er irgendwie ja auch selbst gemacht –, vor der Beyoncé mit ihrer Ballettphalanx tanzt, sie in Burberry-karierten Leggins, warum bloß? Oder Théodore Géricaults „Floß der Medusa“, Kulisse für den kurzzeitig kontemplativen Jay-Z, hat er doch auch stürmische Zeiten hinter sich. Vor der Nike von Samothrake kauert Beyoncé in ähnlicher Flattermontur, während auf den Stufen zu ihren Füßen junge Frauen liegend Figurtraining betreiben.

          Nur ein, zwei Mal blitzt der eigentlich interessante Gedanke auf, den die beiden mit ihrer vereinten Medienmacht hätten stark machen können: dass sie nämlich das prominenteste schwarze Künstlerpaar im gegenwärtigen Amerika sind und dass in Europa ein paar Fragen offen sind, was die koloniale Vergangenheit betrifft. Das ist wohl vor lauter dyadischer Verschmelzung untergegangen, ihr neues gemeinsames Album heißt schließlich „Everything is Love“.

          Eher sieht es umgekehrt nach einer Übernahme des Louvre durch zwei Superstars aus, zwecks ultimativ glamouröser Auffahrt in den siebten Himmel der Liebe, Amor inklusive Caritas. Unter Verwendung von Kunstwerken, die für sich selbst stehen über Jahrhunderte hin, eingesetzt als schiere Kulissen einer ästhetischen Überbietungsstrategie. Kurz, der Louvre als Deko, durchaus eine Form der Demonstration von Macht. Kunst gar nicht erst sammeln, sondern gleich dazwischen herumhüpfen. Was dem Museum hoffentlich eine Handvoll Dollar eingebracht hat. Seien wir getrost, das halten nicht nur Leonardos Lisa lächelnd und die kopflose griechische Siegesgöttin heroisch aus. Zur schönen Turnübung werden sollte es aber doch lieber nicht.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

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