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Fünzig Hefte "steadycam" : Gehalt und Leidenschaft

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Ist es überall besser, wo wir nicht sind? Jeden Monat, wenn nacheinander die "Cahiers du Cinéma" aus Frankreich, "Sight & Sound" aus England und "Film Comment" aus den Vereinigten Staaten in der Post liegen, kann einen diese Wehmut anwehen.

          Ist es überall besser, wo wir nicht sind? Jeden Monat, wenn nacheinander die "Cahiers du Cinéma" aus Frankreich, "Sight & Sound" aus England und "Film Comment" aus den Vereinigten Staaten in der Post liegen, kann einen diese Wehmut anwehen. Warum sehen die regelmäßig erscheinenden deutschen Filmzeitschriften, unentbehrlich und ehrenhaft, wie sie sind, so anders und so wenig danach aus, dass sie einer Leidenschaft entspringen und eine Leidenschaft bedienen? Und dann kommt, irgendwann, in undurchschaubaren Intervallen ein- oder zweimal im Jahr - und das seit 1982 - ein jedes Mal noch dickerer Umschlag an und darin liegt die "steadycam". Jetzt ist die fünfzigste Ausgabe dieser Zeitschrift erschienen, deren Existenz sich der unbedingten Hingabe ihres Herausgebers und Chefredakteurs Milan Pavlovic verdankt sowie der honorarfreien Mitarbeit sämtlicher Autoren. Und diese Jubiläumsausgabe ist dick wie die "Vogue", aber nicht wegen der Anzeigen. Auf dem Titel zeigt sie Robert Altman in einem Sonnenblumenfeld während der Dreharbeiten zu "Vincent and Theo"; allein 111 Seiten sind dem im vergangenen Jahr gestorbenen Regisseur und seinem Werk gewidmet, und zwar in einmaliger Aufmachung - mit Schnittsequenzen, die über ganze Seiten laufen, Bildern, die tatsächlich "film stills" sind, keine PR-Fotos, und Texten ohne Ende, übersetzt (oder auch nicht) aus internationalen Publikationen oder eigens für "steadycam" geschrieben in einem Ton, der einerseits fachsimpelt, andererseits das aber mit solcher Anschaulichkeit und Begeisterung tut, dass man sofort alle Filme wieder sehen möchte, von denen die Rede ist. Wobei die Begeisterung, die sich in jedem Beitrag mitteilt, nicht immer den einzelnen Filmen gilt, sondern dem Kino - das in Deutschland mit seiner in jeder Hinsicht ungepflegten Kinokultur eine solche Zeitschrift vielleicht wirklich nur ein- oder zweimal im Jahr verdient. VERENA LUEKEN

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