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Psyche : Können unsere Smartphones bei Depressionen wirklich helfen?

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Das Handy weiß viel über uns. Dieses Wissen kann bei psychischen Störungen helfen, glauben einige Experten. Bild: Hoi Chan

An der Art und Weise, wie wir unser Handy benutzen und wofür, so glauben einige Experten, kann man unsere mentale Verfassung ablesen – und sogar vorhersagen. Einige wittern hier ein großes Geschäft.

          4 Min.

          Der Astrophysiker Carl Sagan stellte sich 1975 die Zukunft der Therapie in etwa so vor: An jeder Straßenecke eine Telefonzelle, dachte er, in die man ein paar Münzen einwerfen könne, um dann mit einem Robotertherapeuten zu telefonieren. Telefonzellen gibt es heute zwar kaum noch, aber die Vision von Sagan wirkt im Jahr 2022 dennoch ziemlich aktuell. Zumindest liest man die Versprechen diverser Apps namens Bloom, MindDoc, Selfapy, Deprexis 24 oder Mindstrong:

          „Be your own therapist.“
          „Affordable Online Counselling Therapy – anytime, anywhere.“
          „The app people write thank you letters to.“
          „Dein Begleiter auf dem Weg zu emotionalem Wohlbefinden.“
          „Zeitlich und örtlich flexible Online-Therapie.“



          Digitale Therapieprogramme, die Hilfe gegen leichte bis mittelschwere Depressionen versprechen, die man einfach auf dem Smartphone nutzen kann. Soforthilfe statt langer Wartelisten. Chat- und Videotherapie gegen Angstzustände, Panikattacken oder sogar Essstörungen. In Deutschland gibt es einige Apps gegen Depressionen inzwischen sogar auf Kassenrezept.

          Stecken hinter manchen Anwendungen noch echte menschliche Therapeuten, nutzen andere längst Algorithmen, Big Data und Künstliche Intelligenz. Depressive können am Smartphone ihre Stimmung tracken. Sie können sich von Chatbots wie dem Woebot bei verhaltenstherapeutischen Übungen anleiten lassen. Schon heute können Algorithmen in sozialen Netzwerken suizidgefährdete Nutzer aufspüren. Eine kalifornische App will sogar am Tipp- und Wischverhalten eines Handynutzers depressive Phasen vorhersagen können.

          Eine Geschichte aus der aktuellen Ausgabe des Magazins der F.A.Z. „Frankfurter Allgemeine Quarterly“

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          Wie lange wird es wohl noch dauern, bis sich Menschen in einer depressiven Phase lieber an eine Künstliche Intelligenz wenden? Könnte sie uns helfen, unser mentales Wohlbefinden zu verbessern? Könnte sie sogar helfen, Depressionen frühzeitig zu erkennen? Und die Therapie in der Zukunft auf grundlegende Weise verändern?

          Das mag zunächst komisch klingen, aber Künstliche Intelligenz kann unser Verhalten ja schon heute recht gut vorhersagen und wird es in Zukunft auch noch besser können. Techunternehmen jedenfalls nehmen diese Fähigkeit längst für sich in Anspruch, wenn sie ihre Dienste den Werbekunden, Versicherungen oder Geheimdiensten andienen. Und nun wünscht sich mancher Forscher eine KI, die Menschen therapieren kann, ohne hohe Kosten und ohne zeitliche Begrenzungen, im Gegensatz zu menschlichen Therapeuten.

          Das Versprechen: Eine depressive Phase wird bemerkt

          Allen voran der US-amerikanische Psychiater Thomas Insel. Er schreibt in einem Aufsatz für die Fachzeitschrift „World Psychiatry“: „Unser Mangel an objektiven Messungen hat sowohl die Diagnose als auch die Behandlung in der Psychiatrie behindert.“ Die Diagnose von Depressionen sei von Selbstauskünften der Patienten abhängig, davon, was sie über Schlafqualität, Appetit und emotionale Zustände berichteten. Doch es gebe eine objektivere Messquelle: das Smartphone. Das kann Daten sammeln, von denen Forscher und Forscherinnen früher träumten, ob Herzfrequenz, Bewegungsmuster, soziale Interaktion, Stimmung oder Schlaf.

          Thomas Insel ist einer der bekanntesten Psychiater in den USA. Er leitete jahrelang das National Institute of Mental Health, war aber zunehmend frustriert über die mangelnden Fortschritte auf seinem Gebiet. Es sei ihm gelungen, die Publikation einer Menge richtig cooler Paper durch coole Wissenschaftler und zu ziemlich hohen Kosten zu unterstützen, erzählt er in Zeitungen und in Ted Talks. Was ihm nicht gelungen sei, sei die Abnahme von Suizidraten und Krankenhausaufenthalten, also die echte mentale Gesundung von Millionen Menschen. Insel verließ das National Institute und gründete zusammen mit einem Informatiker die App Mindstrong. Die App soll anhand von Tipp-, Scrollund Swipebewegungen auf dem Smartphone feststellen können, wie es dem Nutzer geht, und verspricht, zu bemerken, wenn Nutzer in eine depressive Phase abrutschen, und benachrichtigt dann umgehend Psychologen und Coaches, die mit Mindstrong zusammenarbeiten. Insels zentrale Frage: Können uns Smartphones aus der mentalen Gesundheitskrise retten?

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