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Impressionismus und Moderne : Das letzte Los entscheidet

  • -Aktualisiert am

Die Sensation in London: Mit Kay Sages „Le Passage“ von 1956 gelang Sotheby’s eine Überraschung. Auf 70.000 bis 90.000 Pfund geschätzt, brachte das Gemälde 3,8 Millionen Pfund. Bild: Sotheby's

Eine schlechte Nachricht zu Beginn, zahlreiche Rekorde am Ende: Die Auktionen mit Impressionismus, Moderne und Surrealismus bei Christie’s und Sotheby’s in London übertreffen alle Erwartungen.

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          Mit hochkarätigen Einlieferungen und vollgepackten Katalogen konnten Christie’s und Sotheby’s in London mit Impressionismus und Moderne einen starken Auftakt des Auktionsjahrs vorlegen. Erlesene Provenienzen und marktfrische Werke erwiesen sich – mehr den je – als die Trümpfe.

          So verkündete Christie’s nach seiner Abendauktion einen Umsatz von 176,986 Millionen Pfund, gegenüber einer Erwartung von 113,7 bis 162,9 Millionen; 86 Prozent der insgesamt 76 aufgerufenen Lose wurden verkauft: Das ist das höchste in London jemals in einer einzelnen Auktion erzielte Ergebnis. Am folgenden Abend zog Sotheby’s nach und legte mit dem Umsatz von 163,461 Millionen Pfund das beste Auktionsergebnis in der Geschichte von Sotheby’s in London vor; Sotheby’s konnte stolze 88,8 Prozent der 89 angebotenen Lose vermitteln. Der Durchschnittspreis pro Los liegt bei 2,069 Millionen Pfund bei Sotheby’s; deutlich höher steht er mit 2,72 Millionen Pfund bei Christie’s.

          Dabei fing der Abend bei Christie’s mit einer schlechten Nachricht an: Von den 103 Losen, die für die Veranstaltung angekündigt waren, hatte die portugiesische Regierung 25 Miró-Werke eingereicht aus dem Besitz der verstaatlichten Bank BNP; sie wurden von Christie’s zurückgezogen. Damit endete die Abendauktion schneller als geplant, mit einem heißen Eisen von Man Ray: „Cadeau Modèle“ (Taxe 40.000/ 60.000 Pfund), ein altes Bügeleisen unter einer Glasglocke, erhitzte aber keine Gemüter und blieb unverkauft.

          Zieht nach Asien: Monets „Eglise de Varengeville, soleil couchant“ von 1882 brachte Christie’s fünf Millionen Pfund, geschätzt war das Bild auf vier bis sieben Millionen Pfund.
          Zieht nach Asien: Monets „Eglise de Varengeville, soleil couchant“ von 1882 brachte Christie’s fünf Millionen Pfund, geschätzt war das Bild auf vier bis sieben Millionen Pfund. : Bild: dpa

          Zu dem Rekordergebnis von Christie’s trugen besonders Werke der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts bei, was zugleich auch einen Geschmackswandel dokumentiert. Das einzige Los aus dem 19.Jahrhundert unter den Top Ten war Monets „L’Église de Varengeville, soleil couchant“ aus dem Jahr 1882, das für fünf Millionen Pfund (4/7 Millionen) wohl nach Asien vermittelt wurde. Nach der Versteigerung bestätigte auch Auktionator Jussi Pylkkänen, dass derzeit ein Generationswechsel stattfinde, der in den – seit etwa drei Jahren extrem starken – Markt Spitzenwerke aus alten Familiensammlungen in die Auktionen spült. Die Nachfahren und die Sammler der jüngeren Generation wenden sich zwar oft zunächst den Zeitgenossen zu, sehen sich aber seit den extremen Preissteigerungen im Contemporary-Bereich auch in der Avantgarde des frühen 20.Jahrhunderts um, um ihre Sammlungen in einen historischen Zusammenhang einzubetten.

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