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Früher Tod : Warum starb Amy Winehouse?

  • -Aktualisiert am

Amy Winehouse 2007 in MÜnchen Bild: A. Muench/BrauerPhotos

Am 23. Juli 2011 wurde Amy Winehouse mit nur 27 Jahren tot aufgefunden. Sind gewissenlose Männer mit Schuld an ihrem Tod? Ein Dokumentarfilm sucht Antworten.

          Es gibt Menschen, deren früher Tod einen wütend machen kann, abgesehen davon, dass so etwas natürlich immer traurig ist oder ungerecht oder sonst alles mögliche blöde. Als Philip Seymour Hoffman gestorben ist, zum Beispiel, war ich sauer. Denn er hat, obwohl ich ihn ja persönlich gar nicht kannte, mir persönlich durch seinen Tod etwas weggenommen, etwas, was ich gerne gehabt hätte.

          Es wären bestimmt noch viele Filme drin gewesen, in denen er wieder so gespielt hätte, dass man Gänsehaut bekommen konnte, weil es so echt wirkte und sich zugleich ein bisschen vor ihm fürchtete und ihn bewunderte, und am Schluss stundenlang geklatscht hätte, wäre er im Saal gewesen und hätte es gehört. Es ist wie ein Phantom-Schmerz, diese Filme nun niemals sehen zu können. Dasselbe habe ich auch mit Amy Winehouse.

          Ich weiß noch genau, wo ich war, als ich im Internet las, dass sie gestorben sei. (Im Internet lese ich, dass das am 23. Juli 2011 war). Ich weiß, wie der Stuhl sich anfühlte, auf dem ich saß, und dass es ein wahnsinnig heißer Tag war, und dass mein erster Gedanke mir galt. So etwas wie: Was? Wie kann sie mir das antun? Was mache ich denn jetzt ohne jemals eine neue Platte von ihr?

          Als nächstes versuchte ich dann, mehr über die Umstände ihres Todes zu erfahren (hatte sie nicht gerade angeblich eine drogenfreie Phase gehabt?) und geriet auf die schreckliche Promi-Klatsch-Seite TMZ.com, durch die ich erfuhr, dass der Vater von Amy Winehouse sich gerade auf einem Flug von London nach New York befände und die traurige Nachricht noch gar nicht erfahren habe.

          Ich weiß noch, wie ich mir vorstellte, wie er in ein paar Stunden etwas zerknittert von der trockenen Kabinenluft aus dem Flugzeug steigen und auf dem Weg zur Immigration-Schlange von irgendjemandem zur Seite gewunken werden würde, und ich dachte: das kann doch gar nicht sein, dass ich das vor ihrem Vater weiß. Das geht mich doch vor ihm erst mal eine ganze lange Weile nichts an. Was ist das nur für eine bescheuerte Welt geworden, in der ich ständig live über alles informiert sein soll, das hält man doch alles gar nicht aus.

          Die Songs altern nicht

          Ich weiß nicht, wie oft ich „Back to Black“ gehört habe, seit es 2006 erschien. Und die Songs darauf werden einfach nicht alt, nicht einmal die größten Hits, sie klingen jedes mal aufs neue so, dass ich lauter machen will. Ursprünglich dachte ich, Marc Ronson, der Produzent sei das wahre Genie, aber als ich ihn einmal interviewte, versicherte er vehement, nur ausgeführt zu haben, was Winehouse vorgab, und ich schämte mich, versehentlich diesem dummen frauenfeindlichen Automatismus aufgesessen zu sein.

          Allerdings muss man auch sagen, dass die andere Platte von Amy Winehouse, ihre erste also, die Ronson nicht produziert hat, „Frank“ (sie hat nur zwei, posthum kam dann noch eine dritte, aber die zählt nicht so richtig) nicht ganz so gut ist. Da merkt man zwar schon, dass man es hier mit einer ganz erstaunlichen, extrem eigenwilligen Künstlerin zu tun hat, aber die Songs sind so umständlich gebaut wie Sätze, deren Anfang man nicht mehr weiß, bis endlich das Verb kommt. Man kapiert sie einfach nicht (mit wenigen Ausnahmen), und kann sie sich auch nicht merken.

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