https://www.faz.net/-gqz-6z53q

Fritz Stern zum Fall Grass : Eine gezielte und missglückte Provokation

  • Aktualisiert am

Befremden bei geteilter Sorge: Der amerikanische Historiker Fritz Stern kritisiert die Irreführung der Israel-Kritik durch Günter Grass Bild: dpa

Befremden und Bedauern: Der amerikanische Historiker Fritz Stern äußert sich in der Samstagsausgabe des F.A.Z.-Feuilletons zu Günter Grass, der Debatte über dessen Gedicht und konstruktive Kritik an Israel.

          Der amerikanische Historiker Fritz Stern nimmt im Samstagsfeuilleton der F.A.Z. Stellung zur Debatte über das Israel-Gedicht von Günter Grass. Im Gespräch mit Felicitas von Lovenberg bekundet der mit Grass persönlich bekannte amerikanische Historiker deutscher Herkunft sein Bedauern und Befremden über dessen Gedicht „Was gesagt werden muss“. Er nimmt Grass aber auch gegen die seiner Ansicht nach exzessive Kritik am jahrzehntelangen Verschweigen seiner Mitgliedschaft in der Waffen-SS und gegen Antisemitismus-Vorwürfe in Schutz. „Zu glauben, dass, wer Israel kritisiert, deshalb ein Antisemit sei, ist gefährlicher Blödsinn“, so Stern.

          Der Historiker jüdischer Abstammung, der vor dem NS-Terror in die Vereinigten Staaten floh, sieht in dem Gedicht eine gezielte und missglückte Provokation. Stern bedauert, dass Grass durch die Vermengung richtiger und falscher Aussagen berechtigte Kritik an Israel in die falsche Richtung geführt habe. „Das alles finde ich bedrückend, traurig, verspielt, denn, wie gesagt: Es ist der Zeitpunkt für sorgenvolle Fragen über die innere Lage Israels und damit verbunden über israelische Außenpolitik. Dieser Sache fügt er großen Schaden zu.“

          Geteilte Sorge

          Einig weiß sich Stern mit Grass in der Ansicht, dass es für Kritik an Israel keine Diskursverbote geben dürfe. „Warum haben wir, die wir nicht in Israel leben, selbst die Deutschen mit all der Vergangenheit, nicht das Recht, genau solche Sachen zu sagen - angetrieben von derselben Sorge, die auch viele großartige Israelis tief bewegt?“

          Am Vorstoß des Literatur-Nobelpreisträgers kritisiert Stern außerdem die Loyalitätsverweigerung gegenüber der israelischen Opposition. Gleichzeitig tadelt er das von der israelischen Regierung erlassene Einreiseverbot für Grass. Die israelische Führung reagiere aus innerer Schwäche radikal und unbeholfen.

          Das vollständige Gespräch lesen Sie in der Samstagsausgabe der F.A.Z..

          Weitere Themen

          Wie können Mint-Fächer attraktiver werden?

          Hohe Abbruchrate : Wie können Mint-Fächer attraktiver werden?

          Studenten aus dem Mint-Bereich fühlen sich oft überfordert und brechen ab. Das liegt auch an fehlenden Kenntnissen aus dem Schulunterricht. Könnten verpflichtende Vorkurse daran etwas ändern? Ein Gastbeitrag.

          Topmeldungen

          Kandidatur für SPD-Vorsitz : Was will Stephan Weil?

          Noch hüllt er sich in Schweigen, aber bald wird sich Stephan Weil bekennen müssen: Tritt er für den SPD-Vorsitz an oder nicht? An der Entscheidung des Niedersachsen hängt viel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.