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Friedensnobelpreis : Wangari Maathais Theorie über den HIV-Virus

Eigenwillige Theorie zu Aids: Wangari Maathai Bild: EPA FILES

Erstaunliche Äußerungen von Wangari Maathai: Die Aids-Epidemie in Afrika, so die Friedensnobelpreisträgerin, gehe auf einen von weißen Wissenschaftlern gezüchteten biologischen Kampfstoff zurück.

          Wangari Maathai ist die diesjährige Friedensnobelpreisträgerin. Sie stammt aus Kenia und bekleidet in ihrer Heimat das Amt der stellvertretenden Ministerin für Umwelt, natürliche Ressourcen und Forstwesen. Geboren wurde sie am 1. April 1940. Sie studierte in den Vereinigten Staaten Biologie, zurück in Kenia wurde sie im Fach Tiermedizin promoviert.

          Lorenz Jäger

          Redakteur im Feuilleton.

          Als erste Frau konnte sie später die Leitung der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Nairobi übernehmen. Daneben trat sie als politische Aktivistin für den Umweltschutz hervor, was ihr einige Verhaftungen und einen Gefängnisaufenthalt eintrug, dem erst eine Kampagne von "Amnesty Internation" ein Ende setzen konnte. Im Dezember 2002 wurde sie ins Parlament gewählt.

          Fremde Gedankenwelt

          Der Friedensnobelpreis ist nicht die erste internationale Auszeichnung, mit der die streitbare Frau geehrt wurde. Nun aber hört man von der Preisträgerin Äußerungen, die man denn doch nicht mit dem Frieden in Verbindung bringen möchte. Dennoch sind sie aufschlußreich, weil sie eine Gedankenwelt beleuchten, von der man in Europa wenig weiß, die aber offenbar selbst bei gebildeten Afrikanern Anklang findet. Wangari Maathai behauptet nämlich nichts Geringeres, als daß die Aids-Epidemie mit ihren verheerenden Folgen vor allem in Afrika auf einen von weißen Wissenschaftlern gezüchteten biologischen Kampfstoff zurückgehe.

          Das Virus sei zur biologischen Kriegsführung und zur Massenvernichtung von Menschen geschaffen worden, erklärte sie der kenianischen Zeitung "The Standard". In Afrika leben 25 Millionen der weltweit auf 38 Millionen Menschen geschätzten Aids-Opfer, und so mag die Beunruhigung afrikanischer Politiker zunächst durchaus verständlich erscheinen.

          Aids als Mittel der Kontrolle

          "Wir wissen", so Wangari Maathai, "daß die entwickelten Länder Biowaffen entwickeln - Schußwaffen überläßt man den Primitiven. Aids ist nicht eine Strafe Gottes, über Afrika oder die schwarze Bevölkerung verhängt - es ist ein Mittel, um sie zu kontrollieren, entwickelt von übelgesinnten Wissenschaftlern, aber vielleicht werden wir nie erfahren, wer genau es war." Und weiter: "Manche sagen, das Virus sei von den Affen übertragen worden. Aber das bezweifele ich - wir leben seit unvordenklichen Zeiten mit Affen." Gerade die Begründungen für den Irak-Krieg hätten ja erwiesen, daß die Züchtung biologischer Kampfstoffe zur Auslöschung ganzer Völker eine allgemein akzeptierte Tatsache sei.

          Alle Krankheiten haben, darüber legt man sich nicht oft Rechenschaft ab, etwas unbewußt Beschämendes. Vor allem wohl dann, wenn sie in ihrer Entstehung mit schambesetzten Praktiken zu tun haben. Es verwundert deshalb nicht, wenn in Afrika auch angesehene Staatsmänner wie der südafrikanische Präsident Mbeki, der öffentlich Zweifel an der Verursachung von Aids durch den HIV-Virus geäußert hatte, zu seltsamen Erklärungen greifen. So hat der Vorstoß der Friedensnobelpreisträgerin zumindest ein Gutes: Er klärt über das Verhältnis von Scham und Haß auf, das zwischen Afrika und den entwickelten Ländern besteht.

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