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Bild von Frida Kahlo zerstört? : Brandstifter

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Fraß der Flammen: Hier soll das Bild „Fantasmones siniestros“ von Frida Kahlo brennen. Bild: FridaNFT

Ein amerikanischer Unternehmer hat nach eigenen Angaben ein Werk Frida Kahlos verbrannt, um es in NFTs zu Geld zu machen. Mexikos Kulturministerium prüft, ob es sich um einen Straftatbestand handelt. Die Strafe wäre verdient.

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          Falls es wahr sein sollte, ist es mehr als eine Geschmacklosigkeit, dann ist es ein Fall für Juristen. Der in Florida ansässige Krypto-Unternehmer Martin Mobarak will ein Werk der mexikanischen Malerin Frida Kahlo verbrannt haben, auf dass dieses nur mehr virtuell in Gestalt von Non-Fungible Tokens (NFTs) existiere – als Serie von Besitzzertifikaten in einer Blockchain.

          Auf Youtube soll ein Video die angeblich schon im Juli inszenierte Aktion zeigen: Zu sehen ist eine Pool-Party, bei der zu Klängen einer Mariachi-Band ein Bild aus einem Rahmen geholt und im Cocktailglas auf Trockeneis zum Fraß der Flammen wird. Unter „Fantasmones siniestros“ (unheimliche Geister) firmiert es auf der Website FRIDA.NFT, identifiziert als aus einem Tagebuch Kahlos gerissenes Blatt, auf dem die Künstlerin um 1944 mit Aquarellfarben phantastische Wesen skizzierte.

          2015 will Mobarak es aus Privatbesitz für zehn Millionen Dollar erworben haben. Nun soll es vernichtet sein – oder, wie es bei Mobarak heißt, sich wie Phoenix aus der Asche erheben in zehntausend NFTs. Zum Preis von je drei Ether – knapp viertausend Dollar – sind diese zu „prägen“.

          Dass „ein Teil“ des Erlöses wohltätigen Zwecken und dem Museo Frida Kahlo in Coyoacan zugutekommen soll, macht es nicht besser. Das mexikanische Kulturministerium prüft, ob Mobarak ein authentisches Werk verbrannt hat, denn in Mexiko ist die vorsätzliche Zerstörung eines Kunstdenkmals ein Straftatbestand. Härter und schneller träfe den Zündler fehlende Nachfrage: Wenn er auf den NFTs sitzenbliebe, hätte er gewaltig Geld verbrannt, und recht geschähe es ihm.

          In der mutmaßlichen Kahlo-Verbrennung verbinden sich zwei aufgeheizte Marktgeschehen: Da sind die Wertzuwächse, die Werke der Mexikanerin jüngst erleben. 34,9 Millionen Dollar kostete im November 2021 ein Selbstporträt Kahlos bei Sotheby’s in New York, das 1990 für 1,9 Millionen zu haben war. Und da ist die trotz Krypto-Crash immer noch angesagte NFT-Unsitte, physische Werke um der Tokens willen zu vernichten.

          Aus Bildern wird Konfetti

          Schon Anfang 2021 verbrannten Aktivisten einen Banksy-Druck, verkauften ihn als NFT und machten Gewinn damit. Damien Hirst, einer der am lustvollsten und erfolgreichsten mit Marktmechanismen spielenden Gegenwartskünstler, hat ein Kunstprojekt namens „The Currency“ (die Währung) aufgelegt, in dessen Zentrum wertschöpfende oder -vernichtende Verbrennungen stehen. Wer eines von zehntausend wie Banknoten mit Konfetti-Druck aussehenden Bildern kauft, erhält es auf Papier – oder als NFT, dann wird das entsprechende Blatt verbrannt. Mehr als die Hälfte der Käufer wählte Handfestes, trotzdem hat Hirst viel zu tun, wenn er am 11. Oktober zur Londoner Kunstmesse Frieze mit dem Autodafé beginnt.

          Geld verbrennen kann dank Inflation jeder, und NFT-Kunst gibt es übrigens auch, ohne dass man andere dafür vernichtet. Aber wen Assoziationen an Bücherverbrennungen nicht stören, bitte sehr, und wenn ein Künstler das Streichholz ans eigene Schaffen hält, unserethalben. Nur Frida Kahlo kann nicht mehr mitreden. Sonst hätte sie sich wohl verhindert, dass Mara de Anda Romeo, eine ihrer Urgroßnichten, die NFT-Werdung eines Backsteins aus dem Roten Haus der Künstlerin betrieb. Fürs Metaversum.

          Ursula Scheer
          Redakteurin im Feuilleton.

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