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Freundschaft mit einem Präsidenten : Was Barack mir so schreibt

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Es war für lange Zeit die letzte Mail, die er nur mit seinem Vornamen unterschrieb. In denen, die danach kamen, war er der Präsident der Vereinigten Staaten, und meistens ging es nun darum, dass ich etwas für ihn tun sollte. Als die Finanzkrise ausbrach, sollte ich ihm ein Video schicken, in dem ich erzähle, wie die Krise mein Leben beeinflusst, um mein Schicksal mit anderen zu teilen und so zu zeigen, dass auch ich seinen Rettungsplan unterstütze. Danach war es die Krankenversicherung, die ich unterstützen sollte, danach eine Richterin, die in den Supreme Court gewählt werden musste, danach musste die Wall Street reformiert oder republikanische Kongressabgeordnete mussten angeschrieben werden, dass sie das Konjunkturprogramm nicht blockieren dürfen.

Immer war irgendetwas Neues, nie schien es ohne mich zu gehen, aber immer lag es in meinem Interesse, mich einzusetzen. Das erinnerte stark an das Land, in dem ich aufgewachsen war und in dem die Führung auch nichts ohne einen unternehmen konnte, jede Großdemonstration, jeder Fünfjahrplan, jede Solidaritätsaktion, immer musste man mit. Nun hatte ich zwar nichts dafür getan, dass Barack Obama Präsident wurde, also durfte ich nicht erwarten, dass er nun etwas für mich tat, dennoch hatte ich immer geglaubt, dass es sich in der Politik genau so verhält. Ein Gedanke, der mich heute, angesichts der Vorwürfe gegen den deutschen Präsidenten beschämt, wo doch auch ihm Freunde sogar hinter seinem Rücken Gutes taten, ohne dass sie je etwas davon gehabt haben wollen.

Herzliche Einladung

In den nächsten Monaten wurde meine E-Mail-Adresse dann offenbar im gesamten Team von Barack Obama weitergegeben. Ständig stellten sich mir neue Leute vor, mal war es Joe Biden, der Vizepräsident, mal der Kampagnenleiter, mal die Frau, die für die Kampagne die Finanzen verwaltet, und immer ging es um Geld. Inzwischen sollte ich nicht mehr wenigstens fünf Dollar spenden, drei schienen auch genug, „oder was immer Du erübrigen kannst“, wie Barack Obama schrieb, der sich nun plötzlich wieder nur unter seinem Vornamen meldete. Die Höhe der Spende sei nicht so wichtig, hieß es, wichtiger sei, dass möglichst viele Leute spenden, um so den Gegnern die Breite der Bewegung zu zeigen. Als ich nichts überwies, wurden die Aufrufe immer dringlicher. Einmal versprach Barack Obama, mich persönlich anzurufen, wenn ich spende, ein andermal meinte er, dass ich womöglich zu einem Essen mit ihm eingeladen werden würde, wenn ich Geld gebe.

Die Sache mit dem Essen schien Barack Obama sehr am Herzen zu liegen. Ohne dass es je eine Information zu Termin oder Menue gegeben hätte, bin ich in dieser Angelegenheit mindestens zwanzig Mal von verschiedenen Leuten angeschrieben worden, zuletzt von Reggie Love, dem persönlicher Referenten des Präsidenten, der sich mir als der große Typ vorstellte, der Barack Obama überallhin folge. Als jemand, dessen Aufgabe es sei, dass der Präsident nicht zu spät komme, etwas zu Essen habe, wenn sie unterwegs seien und mit ihm Basketball spiele, wobei der Präsident meistens gewinnt, könne er sagen, dass so etwas wie ein Essen mit dem Präsidenten eigentlich nur Michelle und den Mädchen passiere, weshalb ich unbedingt spenden soll, um daran teilzunehmen. Kurz darauf schrieb mir seine Frau Michelle, dass vielleicht nicht jeder wisse, wie man sich auf ein solches Essen vorzubereiten habe, als jemand, der schon Hunderte Male mit Barack gegessen habe, wolle sie mir aber sagen - ich solle da ganz entspannt sein. Danach meldeten sich noch einmal sowohl der Präsident als auch der Vizepräsident bei mir, um zu fragen, was mich zurückhalte, so viele Chancen auf ein gemeinsames Essen gebe es nicht, und ich könne auch einen Freund mitbringen, Michelle würde auch kommen, die mir daraufhin noch einmal bestätigte, sie würde mich wirklich gern einmal kennenlernen.

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