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Facebook : Freund hört mit

  • -Aktualisiert am

Facebook schenkt uns etwas: Eine App, die Ton aufnimmt, aber nicht mithört. Ist das nicht vielleicht doch schon der große Lauschangriff?

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          Das ist doch mal wieder ein herzerwärmendes Geschenk von unseren Freunden aus dem Silicon Valley, und es soll uns natürlich nur dabei helfen, unsere Leben besser miteinander zu teilen. Denn ist es nicht schrecklich, dass wir nicht hören, was der andere hört, wenn wir digital vereinsamt auf unseren Smartphones herumtippen? Dabei sehnen wir uns doch nur nach größtmöglichem Kontakt in einer offenen und vernetzen Welt. Schluss mit der auditiven Isolation, nur noch ein paar Tage, dann hören Freunde mit, vor allem aber der ganz große Freund, nämlich Facebook selbst.

          Fahndet Facebook bald mit Drohnen?

          Und das geht so: Wer mit seiner Facebook-App eine Status-Meldung absetzt („Sitze vorm Fernseher, zehntes Bier, seltsames Blubbern im Kopf“), muss nicht mehr länger mühsam auf der Tastatur hinpiddeln, was er gerade hört und sieht („Mudiksndrnstadtl, hicks“, „neues Coldpkay-Albun, schluchz“), das nimmt die App dem User fürsorglich ab - und schaltet einfach das Mikro an. Schon rauscht das, was Facebook da erlauscht, durch die Audio-Datenbanken des Netzwerks, man kennt das von Musikerkennungdiensten wie Shazam, die für einen herausfinden, was das da für ein Lied ist. Facebook also fahndet nach der Musik, dem Film, der Fernsehserie und fügt die Treffer - zack, der Statusmeldung bei. Sound-Schnipsel für Freunde und Infos zur aktuellen Folge von was auch immer gibt‘s gratis dazu. Und warum das Ganze?

          Damit man besser miteinander kommunizieren kann. Klar. Und kaufen, was der andere mag. Vor allem aber: Facebook offenlegen, welche Vorlieben man hat. Denn darum und um nichts anderes geht es der als Freundschaftsclub getarnten Datenkrake, wenn sie jetzt nicht mehr nur Texte, Bilder, Orte, Likes auf ewig speichert und auswertet, Gesichtserkennungssoftware über Bilder laufen lässt, uns vielleicht bald sogar mit Drohnen verfolgt.

          Von WhatsApp gelernt

          Facebook hat von seiner neuen Filiale WhatsApp gelernt, dem Kurznachrichtendienst, der auch schon die Mikrofone anknipst, und sperrt nun selbst die Ohren auf. Alles natürlich auf freiwilliger Basis und nur, wenn der Nutzer zustimmt und vorerst auch nur in Amerika, wo Facebook zum Beispiel Fernsehsendern sagt, welche Sendungen Leute im Netzwerk gerade am meisten beschäftigen. Geht natürlich einfacher, wenn die Audioinfos automatisch gezogen werden. Sie würden übrigens nicht gespeichert, heißt es. Wer weiß. Und Hintergrundgeräusche und Gespräche nicht erfasst. Schade eigentlich, so hört Facebook wohl auch nicht: „Mir reicht‘s, ich trenne mich!“

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

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