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Freimaurer in Frankreich : Die Worte des Meisters

Mitglied der Loge „Grand Orient”: Arbeitsminister Xavier Bertrand Bild: picture-alliance/ dpa

Die Freimaurer haben in Frankreich, anders als in Deutschland, eine politisch hörbare Stimme. Nun ist Bildungsminister Xavier Bertrand unter großem öffentlichem Aufsehen als Mitglied der Loge „Grand Orient“ geoutet worden. Bertrand gilt als einer der wichtigsten Minister der gegenwärtigen Regierung.

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          Demokratien funktionieren mit Netzwerken, die von Land zu Land verschieden sind. Wer in Deutschland den politischen Einfluss der Freimaurer untersuchte, würde im besten Fall als bizarrer Außenseiter angesehen. Sind das nicht wohltätige, humanitäre, aber zugleich harmlose Honoratiorenvereine, die vielleicht den Historiker des neunzehnten Jahrhunderts interessieren können, wenn er einige ideengeschichtliche Weitschweifigkeit nicht scheut?

          Lorenz Jäger

          Freier Autor im Feuilleton.

          Ganz anders stellt sich die Sache in den romanischen Ländern dar. Deshalb lohnt ein Blick über die Grenze nach Frankreich. Denn dort, in einem der angestammten Kernländer der katholischen Kirche, werden die „ideologischen“ Kämpfe um den Laizismus, die ganz Europa betreffen, noch unverstellt ausgetragen. Und der Deutsche, der einen Blick auf die französische ideenpolitische Debatte wirft, kann sich erst einmal die Augen reiben. Würde etwa der „Spiegel“ vor einer entscheidenden Wahl den Großmeister der deutschen Freimaurer zu einem Gespräch bitten? Unvorstellbar. Aber das Magazin „L'Express“ machte vor der letzten Präsidentenwahl genau dies und befragte Jean-Michel Quillardet, den Chef des „Grand Orient de France“, nach den Wünschen seiner Organisation an die Kandidaten.

          Harte Kern des Laizismus

          Nun ist der „Grand Orient“ in der internationalen Maurerei eine Ausnahme, ganz wie die Französische Revolution eine andere war als die englische oder die amerikanische, ganz wie das französische Verständnis einer Trennung von Staat und Kirche seit mehr als hundert Jahren sich schärfer profiliert hat als in anderen Ländern. Und während die angelsächsisch geprägten Freimaurer ihre Toleranzideen mit dem gemäßigten, überkonfessionellen Deismus eines „großen Baumeisters aller Welten“ verbinden, ist der französische Gedanke konsequenter ausgebildet. Der „Grand Orient“ ist hier der harte Kern des harten Laizismus.

          Wer also die aktuellen Nachrichten des Nachbarlandes verfolgt, kommt um einen Perspektivenwechsel nicht herum. Im Januar hielt Nicolas Sarkozy eine Rede im saudi-arabischen Riad, die zum Stein des Anstoßes wurde. Als Präsident eines Landes, das dem Prinzip der Trennung von Staat und Kirche verpflichtet sei, könne er, so Sarkozy, sich nicht für ein bestimmtes Bekenntnis aussprechen. „Ich habe die Pflicht, für jeden sicherzustellen, sei er nun Jude, Katholik, Protestant, Muslim, Atheist, Freimaurer oder Rationalist, dass er sich glücklich schätzen kann, in Frankreich zu leben, sich frei fühlen, sich in seinen Überzeugungen anerkannt sehen kann, in seinen Werten und in seinen Wurzeln.“ Allein die ausdrückliche Erwähnung der Freimaurer lässt einen Rückschluss auf ihre politische Bedeutung zu.

          Irgendetwas Religiöses

          Es zeigte sich aber bald, dass die Rede von Riad den Logen trotz der Anerkennung, die ihnen aus dem Mund des Präsidenten widerfuhr, nicht genehm sein konnte. Sarkozy, der in Saudi-Arabien vor allem sein Programm einer „Politik der Zivilisation“ vorstellte, hatte nämlich zugleich ein ungeschriebenes Gesetz des Laizismus übertreten, als er erklärte, am Grund jeder Zivilisation liege nun einmal „irgendetwas Religiöses“ (quelque chose de religieux): „Ich kenne keine Kultur, keine Zivilisation oder Moral, selbst wenn sie durchaus andere philosophische Einflüsse in sich aufgenommen haben, die nicht einen religiösen Ursprung hätten, und sei er noch so gering.“

          Die Rede von Riad war also ein Kompromiss gegenstrebiger Tendenzen. Und der laizistischen Seite, in Unruhe geraten schon durch ähnliche Aussagen bei einem Besuch Sarkozys im Vatikan, musste ein Versöhnungsangebot gemacht werden. Es bestand zunächst darin, dass just am Tag der Rede von Riad den Logen eigene Sendezeiten im Fernsehen zugesagt wurden, nach einem Gespräch, das eine maurerische Delegation mit dem Präsidenten geführt hatte.

          Die Republik als Loge

          Man weiß, dass im Umkreis des Präsidenten der „Grand Orient“ nicht ohne Fürsprecher ist - der Kriminologe Alain Bauer, ehemaliger Großmeister, hatte entscheidend an der Formulierung von Sarkozys innenpolitischen Ordnungsideen mitgewirkt. Bauer war es, der die Maurerei als „eine Art Kirche der Republik“ bezeichnet hatte. Nun ist auch Xavier Bertrand vom „Express“ unter großem öffentlichem Aufsehen als Bruder im „Grand Orient“ geoutet worden. Bertrand gehört der UMP an und gilt als einer der wichtigsten Minister der gegenwärtigen Regierung, ja als ein möglicher Anwärter auf das Amt des Premierministers.

          Im neunzehnten Jahrhundert ging in Frankreich das Wort um, die Freimaurerei sei nichts anderes als die Republik, in den Geheimniszustand versetzt, und die Republik nur die öffentlich gemachte Loge. Sicher, das war die Parole der altkonservativen Kräfte im Land, aber sie war nur möglich, weil die Maurer ihrerseits im triumphalistischen Überschwang haarscharf dasselbe verkündet hatten.

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