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Freiheit gegen Ordnungsvision : Schafft das Design ab!

Kühlergrill des Prototyps BMW i Bild: Picture-Alliance

Sieht nett aus, hört einen aber ab: Neues Design nervt nicht nur mit seinen Formen. Es verschleiert auch, warum nichts mehr ungestaltet bleiben darf – und was gerade mit den Städten und den Dingen passiert.

          7 Min.

          Wovon erholt man sich, wenn man in die Ferien fährt? Von der Arbeit. Und – wenn man Glück hat und die Gestalter nicht schon vorher da waren – auch von zu viel Design. Beispiel: ein französisches Dorf. Eine staubige Landstraße führt dorthin, das Gras der Wiesen wuchert in die Piste. Auf dem Marktplatz spielen ein paar Leute Petanque, die Kinder klettern auf einer umgekippten, überwucherten Steinmauer herum, die Boulangerie hat ein paar Stühle auf die Straße gestellt und so ein Café in der Morgensonne improvisiert. Alles sehr idyllisch. Noch.

          Niklas Maak
          Redakteur im Feuilleton.

          Würde man das beschriebene Dorf einer Truppe von Designern überlassen, wäre der staubige Platz bald in vielfarbigen Fußgängerzonen-Musterungen gestaltet, der chaotische Straßenrand mit einer bürokratisch einwandfreien, Fahrbahn und Bürgersteig ordnungsgemäß trennenden Abkantung eingefasst, der Platz mit schräg verdrehten Abpolderungen gegen illegale Befahrung umstellt, und die Mauer wäre abgerissen und durch einen kreischbunten Spielplatz mit drei Wippen ersetzt, die genau eine Wippbewegung zulassen – und damit man diese Ordnungsmaßnahmen nicht als das wahrnimmt, was sie sind, nämlich als Disziplinierung, würde das Design extrabunt, trudelnd geschwungen und extrem heiter daherkommen.

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