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Frauen und Mode : Körper, Kleider, wilde Gefühle

  • -Aktualisiert am

Die Herausgeberinnen von „Women in Clothes“ im kleinen Weißen: (von links) Leanne Shapton, Sheila Heti und Heidi Julavits Bild: Gus Powell

Dann sind da halt Löcher drin: Ein neues Buch feiert die Einzigartigkeit von Frauen und ihrem Stil. Es enthält Bekenntnisse von rührender Ehrlichkeit - und ist nur dadurch erträglich.

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          Bekenntnis: Ich hasse Frauenmagazine. Und das gilt wahrscheinlich auch umgekehrt. Wir passen einfach nicht zueinander. Ich bin nicht die Leserin, die sie im Sinn haben, und was sie sich umgekehrt dabei denken, wenn sie so tun, als gäbe es allgemeingültige Regeln, wie Frauen oder überhaupt Menschen zu sein und zu leben haben, weiß ich nicht. Glauben diejenigen, die in den Redaktionen von Frauenmagazinen arbeiten, den ganzen Quatsch wirklich selbst, den sie verbreiten? Leben sie selbst in normierten Din-A-4-Leben mit Traummann, zwei niedlichen Kindern, dem kleinen Schwarzen für besondere Gelegenheiten im nach Farben sortierten Kleiderschrank, in dem sich auch eine Schublade mit edlen Dessous befindet, in der hoffnungsvoll ein leerer Parfümflakon liegt?

          Parkt bei ihnen wirklich der praktische Renault Twingo vor dem Wohnhaus in Eppendorf oder Eimsbüttel, in dem sie ihre hell eingerichtete Altbauwohnung im zweiten Stock bezogen haben, sobald die Werbungsphase abgeschlossen war und mit der Kinderplanung begonnen wurde - mit Sisalteppich im Eingangsbereich, dem Ottolenghi-Kochbuch obenauf im Bücherstapel auf dem Couchtisch und großen Kaffeeschalen im Küchenregal, in die man so schön reinpusten kann, wenn man an einem verregneten Sonntagnachmittag einen gemütlichen Wollpullover mit überlangen Ärmeln trägt?

          Ein dickes Buch zum Querlesen

          Gerade ist in Amerika ein Buch erschienen, das vom Gegenteil all dessen erzählt, was Frauenmagazine uns weiszumachen versuchen. „Women in Clothes“ heißt es, herausgegeben von Sheila Heti, Heidi Julavits und Leanne Shapton, allesamt Schriftstellerinnen, Letztere auch Illustratorin. Sie haben sich des Phänomens Kleidung einmal anders angenommen als von oben herab und haben mehr als sechshundert Frauen befragt, darunter auch sich selbst, wie es eigentlich dazu kommt, dass wir uns so anziehen, wie wir uns eben anziehen.

          Dabei interessiert sie weniger, was jemand trägt, als warum. Also die Geschichte hinter diesem abgetragenen Kapuzenanorak oder jenem rosafarbenen Portemonnaie von Marc Jacobs. Denn natürlich ist Kleidung mehr als Mode, erzählt der Kauf von teuren Stiefeln, die dann nie getragen wurden, viel mehr und ganz andere Dinge über ihre Käuferin als nur, dass sie ihr eben mal eine Minute lang gefielen.

          Es ist ein ziemlich dickes Buch, knapp 500 Seiten, wunderschön gestaltet und aus so vielen unterschiedlichen Elementen bestehend, dass es sich besser mal hier, mal dort hineinliest, als von vorne bis hinten durch. Einiges wird anhand von Fotostrecken erzählt (etwa im Spiegel aufgenommene Fotos aus Umkleidekabinen oder Sammlungen der ewig ungefähr genau gleichen Jeansjacke, die sich jemand kauft), anderes in Form von kurzen Geschichten, transkribierten Gesprächen oder gesammelten Aussagen zu Themen wie Brüsten, Haar-Situation oder Geruch. Jede Teilnehmerin wurde aufgefordert, denselben Fragebogen zum Thema Kleidung auszufüllen, doch nur die mit besonders interessanten Antworten landeten dann auch komplett im Buch.

          Alle haben die gleichen Schwächen

          Etwa der von Lena Dunham, 28, der „New York Times“ zufolge für ihre Zeitgenossen das, was J. D. Salinger für die Nachkriegsgeneration war und Woody Allen für die Babyboomer: „eine einzigartige Stimme, die als Außenseiter sprach und dadurch zum ultimativen Insider wurde“. Die Drehbuchautorin, Regisseurin, Produzentin und Hauptdarstellerin der Serie „Girls“ (und bald auch Schriftstellerin: in zwei Wochen erscheint in Amerika ihr erstes Buch) erklärt darin, dass sie das Gefühl hat, vor allem aus einem Grund auf diese Erde gesetzt worden zu sein: „zu helfen, einen gewissen Körpertyp (und, deshalb, alle Körpertypen) und die sich damit verbindenden Befürchtungen zu normalisieren“.

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