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Instagram-Ikonen : Haarig

  • -Aktualisiert am

Komikerin Celeste Barber: Sie will so bleiben wie sie ist. Sie darf. Bild: Screenshot Instagram / Celeste Barber

Eine neue Studie zeigt: Frauen beschränken sich im Netz auf Themen wie Schönheit, Kochen und Nestbau. Schuld daran seien Kommentatoren und Werbekunden. Doch es gibt zum Glück auch Gegenbeispiele.

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          Es gab vor vielen Jahren mal einen als Ermutigung für Frauen getarnten Werbespot, in dem es hieß: „Ich will so bleiben, wie ich bin. Du darfst!“ Er flog allerdings bald wieder aus dem Programm der Marke, weil der Slogan nicht wirklich aufging. Warb er doch für kalorienreduzierte Nahrung, die in erster Linie für Leute gedacht ist, die ja genau das nicht wollen: so bleiben, wie sie sind.

          Die Idee, sich trotz all der dem Schönheitsideal zuwiderlaufenden eigenen Mängel wohl in seiner Haut zu fühlen, ist gleichwohl begrüßenswert. Im Internet firmiert sie zum Beispiel unter dem Hashtag #januhairy: Ein von einer hübschen britischen Studentin initiierter Aufruf, die Körperhaare wachsen zu lassen, als wäre das vierwöchige Tragen stoppeliger Bein- oder Achselhaare bereits ein mutiger Beitrag zur sogenannten Body-Positivity-Bewegung, die im Netz gegen den Schönheits-, Schlankheits- und Fitnesswahn antritt.

          Nur ist die Flut an photogeshopten Aufnahmen spektakulär schöner Frauen so gewaltig, dass die unter Hashtags wie #saggyboobsmatters oder #bodypositive gesammelten Fotos keine wirkliche Gegenmacht darstellen. Junge Frauen scheinen sich im Netz eben am liebsten „sexy“ zu inszenieren, als begehrenswerte, relativ passive Geschöpfe, die sich gern schminken, am Herd stehen und nähen, als hätte man sie in die fünfziger Jahre zurückgebeamt. Was die Männer betrifft: Die sind im Netz nicht nur sehr viel präsenter, sie bespielen auch erfolgreicher unterschiedliche Felder, ob nun Politik, Comedy oder Computerspiele.

          Konzentration auf Brazilian Butts

          Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der von Maria Furtwängler und ihrer Tochter Elisabeth gegründeten Stiftung MaLisa. „Die Studienergebnisse“, sagte Elisabeth Furtwängler in einem Interview, „haben uns vor eine Reihe von Fragen gestellt, auf die wir als Feministinnen zunächst keine Antwort haben.“ Die befragten Youtuberinnen hätten von Hürden gesprochen (böse Kommentare, abspringende Werbekunden), die es erschwerten, aus dem Thema Schönheit auszubrechen und sich neue Genres wie Comedy oder Politik zu erschließen.

          Nun, das dürfte, wenn man sich bislang ausschließlich auf seine Ab-Crack, Bikini-Bridge und den Brazilian Butt konzentriert hat, tatsächlich nicht leicht sein. Opfer der Marktmechanismen sind die empfindsamen Youtuberinnen deshalb nicht. Selbst Frauen ohne Traumkörper haben ja eine Chance, sogar im Internet. Der Komikerin Celeste Barber zum Beispiel, die sehr witzig zeigt, wie die Instagram-Posen von Promis und Models aussehen, wenn sie von Normalsterblichen nachgemacht werden, folgen 5,3 Millionen Abonnenten. Ein Erfolg, von dem sie ziemlich gut leben kann – gerade weil sie bleibt, wie sie ist.

          Melanie Mühl

          Redakteurin im Feuilleton.

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