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Frauen im Islam : Die Religion ist nicht das Problem

  • -Aktualisiert am

Sieht so Unterdrückung aus? Moderne Musliminnen in Katar Bild: dpa

Das brennende Feuer verzehrt unsere Triebe: Schon ein Blick in den Koran lehrt, dass Mann und Frau gleichberechtigt sind. Trotzdem wird die Unterdrückung der Frau oft zur Spezialität des Islam erklärt.

          Es ist bequem, als Ursache für die Schlechterstellung der Frauen in muslimisch geprägten Ländern den Islam auszumachen, wie unlängst in dieser Zeitung in Bezug auf Ägypten geschehen (siehe Frauen in Ägypten: Die Ruhe nach dem Sturm). Auch sonst wird oft polarisiert zwischen Demokratie und Gleichberechtigung auf der einen Seite und Islam und Frauenunterdrückung auf der anderen Seite, als könnte es keinen Islam geben, der die Rechte der Frau achtet. Und das, obwohl der Islam bereits um 620 nach Christus Frauenrechte einführte, die für die damalige Zeit völlig undenkbar, ja, geradezu revolutionär waren, wie das Erb- und Scheidungsrecht. Die Frage ist nur, ob man sich durch diesen Geist der islamischen Lehre inspiriert sieht oder fundamentalistischer Buchstabengläubigkeit anheimfällt.

          Islamische Gelehrte legitimierten die Beschneidung von Frauen, heißt es. Frauen seien gezwungen, sich mit dem Kopftuch vor sexueller Belästigung zu schützen, der Mann gelte weiterhin als die Norm, als das „Maß aller Dinge“. Ehrenmord und Zwangsheirat sind weitere Schlagwörter. Das islamische Recht, die Scharia, richte sich gegen die Frauen. Als Lösung der Probleme wird daher postuliert, den Islam als Staatsreligion in Ägypten abzuschaffen.

          Ehrenmorde unter Christen

          Das würde aber keinen Unterschied machen, solange sich in den Köpfen nichts bewegt. Es ist vielmehr müßig, darüber zu streiten, ob der Islam schädlich ist oder nicht, da man den Islam nicht einfach abschaffen kann wie Atomkraftwerke. Es geht um die Köpfe der Menschen, die beeinflusst sind durch Werte, die sie möglicherweise für islamisch halten. Keine politische Instanz jedoch kann darüber entscheiden, dass es den Islam nicht mehr geben soll. Von daher ist es hilfreicher, aufklärerisch dahingehend zu wirken, die Deutungsmöglichkeiten islamischer Quellen aufzuzeigen, um für die aufgeklärte Version werben zu können.

          Mit dem Kopftuch zu vergleichen? Auch christliche Nonnen bedecken ihren Kopf

          Das Problem ist nämlich nicht der Islam als solcher. Die Beschneidung von Frauen gibt es in afrikanischen Ländern unter Christen, Juden und Animisten ebenso; gleichzeitig kämpfen weltweit muslimische Gelehrte und Organisationen dagegen an. Zwangsehen werden in Indien nicht als hinduistisch stigmatisiert. Und Ehrenmorde in Italien oder Brasilien unter Christen führen selbst Terre des Femmes zu der Aussage, dass wir es hier nicht mit einem religiösen Phänomen zu tun haben. Dennoch wird der Ehrenmord muslimifiziert und als islaminhärent dargestellt. Sexuelle Belästigungen und Gewalt gegen Frauen seien, so heißt es, vorrangig ein Problem „islamischer“ Gesellschaften. Sozialarbeiterinnen von Frauenhäusern bestätigen aber, dass auch bei muslimischen Opfern von häuslicher Gewalt die männlichen Täter Gewaltanwendung nicht mit dem Islam begründen.

          Es ist deswegen zu einfach, wenn man, wie die Islamkritikerin Necla Kelek, suggeriert, die Religion des Islams sei das Problem, da sie von einer Triebhaftigkeit des Mannes ausgehe, der „nach islamischer Auffassung nicht in der Lage ist, seinen Trieb durch Vernunft zu steuern“, weswegen die Frau sich verhüllen müsse.

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