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Frankreichs Olympiamaskottchen : Ein Mützchen aus dem Land der Venus

  • -Aktualisiert am

„Phryges“: offizielle Maskottchen der Olympischen und Paralympischen Spiele Paris 2024 Bild: dpa

Das französische Wahrzeichen für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 steht nun fest – und erlaubt revolutionäre und lustvolle Deutungen.

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          Während sich Deutschland den Kopf darüber zerbrochen hat, wie schlimm genau es ist, keine „One Love“-Armbinde auf der Fußball-WM in Qatar zu tragen, diskutiert Frankreich eigene sportliche Wahrzeichen: Am 14. November wurden die Phryges, die Maskottchen für die Olympischen und Paralympischen Spiele in Paris 2024, der Öffentlichkeit vorgestellt. Eine Phryge ist ein dunkelrotes, dreieckiges Etwas, das ausnahmsweise – „exception culturelle“ verpflichtet – kein Tier sein will. Stattdessen stellt es eine Hommage an das „bonnet phrygien“ oder „bonnet rouge“ dar, also die phrygische Mütze der französischen Revolutionäre; die Marianne auf Eugène Delacroix’ Gemälde „Die Freiheit führt das Volk“ (1830) trägt eine.

          Damit durchweht der Geist der Republik die Pariser Spiele, ein Ideal also, wie Tony Estanguet, Präsident des Organisationskomitees, betonte – was, besonders im Kontrast zu Qatar, mutig scheint. Nur weckte das knuffige, samtrote Kissen mit Strahlelächeln bei den Franzosen ganz andere, fleischliche Assoziationen: Viele erkannten in ihm eine Hommage an die weibliche Klitoris. Prompt begann eine im mehrfachen Sinne des Wortes lustvolle Debatte: Viele sehen in dem Symbol eine Geschmacksverirrung. Andere hingegen freuen sich, „Libération“ etwa: Die Tageszeitung zitiert den amerikanischen Politologen Robert Kagan – „Die Amerikaner kommen von Mars, die Europäer von Venus“.

          Paris ein Anti-Qatar?

          In dieselbe Richtung gehen einige Kommentare, die hervorheben, dass Paris nun nicht nur republikanische Ideale verteidige, sondern Männern aus aller Herren Ländern erkläre, dass es eine Klitoris gebe, wie sie aussehe und wo sie sitze. Auch das zeigt, dass sportliches Großereignis und sexuelle Emanzipation sich nicht ausschließen. Wird Paris also ein Anti-Qatar? Leider muss man etwas Wasser in den Bordeaux mengen: Der Gegensatz ist schwer aufrechtzuerhalten, die Qatarisierung Frankreichs weit vorangeschritten.

          Da wäre das persönliche Engagement des ehemaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy für die WM-Vergabe an das Emirat – UEFA-Präsident Michel Platini, der die USA favorisierte, wurde bekehrt. Die Justiz interessiert sich für den Vorgang, das Nationale Finanzgericht ermittelt. Allgemein haben Sarkozy und sein Umfeld enge Bande mit Qatar geknüpft; Teil davon war der Kauf von Paris Saint-Germain, des wichtigsten französischen Fußballklubs, durch den q atarischen Staatsfonds 2011. Unser Nachbar feiert lustvolle Freiheitssymbole – und verbirgt unschöne Bindungen.

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