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Frankreich in der Krise : Freiheit, Gleichheit, Sparsamkeit

  • -Aktualisiert am

Urlaubsbeginn für die Sarkozys in Südfrankreich Bild: dpa

Die Ferien sind zu Ende, die Krise hat Frankreich wieder. Zur „Rentrée“ steht das Land vor der Frage: sparen oder nicht? Es geht um die ordnungspolitische Zukunft der Nation - und auch darum, nicht den Anschluss an Deutschland zu verlieren.

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          Der August brachte für Frankreich eine Atempause. Wie in jedem Jahr sind in diesem Monat in der französischen Presse Bilder des Präsidenten aufgetaucht, die ihn mit Gattin Carla Bruni beim Baden im Mittelmeer zeigen. Dann erschienen Bilder, auf denen zu sehen war, wie er unrasiert mit seiner Frau spazieren geht. Schaltete man den Fernseher ein, sah man ihn beim Joggen. Im August weilte Nicolas Sarkozy, wie fast alle Franzosen, im Urlaub. Denn Frankreich hat ja das Glück, einen Monat lang im Jahr kollektiv so tun zu dürfen, als käme der Ernst des Lebens auch ohne einen selbst aus. Erst wenn alle an ihre Arbeitsplätze zurückkehren, wird man sich daran erinnern, dass es einmal schwierigere Zeiten gab als die letzten Sommertage.

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          Frankreich hat die Finanzkrise nicht bewältigt, es hat sie nur verschoben. Sicher wird man noch eine ganze Weile über illegal im Land lebende Roma und straffällig gewordene Einwandererkinder diskutieren – und darüber, ob man Letzteren die französische Staatsbürgerschaft entziehen soll.

          Zunächst aber muss sich Präsident Sarkozy einer Reform widmen, die er schon vor der Sommerpause angekündigt hatte: der Rentenreform. Denn anders als in Deutschland, dessen Wirtschaft sich schneller von der Krise zu erholen scheint als zunächst angenommen, steht es um das französische Wachstum noch lange nicht zum Guten. Bei 0,6 Prozent habe es im zweiten Trimester gelegen, hat die französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde kürzlich verlauten lassen, und sie wertete das schon als gute Nachricht. Dabei liegt das von der Regierung ausgegebene Ziel für 2011 bei 2,5 Prozent. Die dringlichste Frage, der sich das Land stellen muss, lautet daher nach wie vor: sparen oder nicht?

          Freiheit für das Wachstum

          Anders als Deutschland, das in schlechten Zeiten traditionell noch mehr spart als zuvor, tendierte Frankreich in Zeiten konjunktureller Krisen bislang dazu, die Nachfrage zu stärken, um dadurch das Wachstum anzukurbeln. Angesichts der derzeitigen wirtschaftlichen Lage sind sich die französischen Intellektuellen jedoch uneins: Die einen, wie der Historiker Emmanuel Todd, begreifen sie nach wie vor als ein „Problem der Nachfrage“, und der Ökonom Jean-Jacques Rosa hat sich sogar für die Auflösung der Euro-Zone und eine Rückkehr zum französischen Franc ausgesprochen. Die andere Seite aber ruft immer lauter nach einer Konsolidierung der öffentlichen Finanzen, nach Haushaltsdisziplin und Abbau der Neuverschuldung, die 2009 bei knapp acht Prozent gelegen hat.

          Jacques Attali, der frühere Berater von Präsident Mitterrand, der jüngst auf Geheiß von Nicolas Sarkozy eine „Kommission zur Befreiung des Wachstums“ (Commission pour la libération de la croissance) leitete, hat dem Land dringend nahegelegt, die Verschuldung zu reduzieren und zu sparen. Andernfalls drohe Frankreich binnen zehn Jahren in eine „wirtschaftliche, finanzielle und soziale Sackgasse“ zu geraten.

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