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Medienskandal in Frankreich : Ein Journalist verklagt einen falschen Informanten

  • -Aktualisiert am

Doch kein Scoop: Raquel Garrido und Alexis Corbiere (rechts), umringt von Journalisten. Bild: AFP

Gegen Abgeordnete von La France insoumise wurden in „Le Point“ schwere Vorwürfe erhoben. Der Autor des Artikels saß einer Fälschung auf. Jetzt geht er gegen seine Informanten vor.

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          Es sah nach einem Scoop aus: Die frisch gewählten französischen Abgeordneten Raquel Garrido und Alexis Corbière, privat ein Ehepaar und Eltern dreier Töchter, wurden in einem Artikel des konservativen Wochenmagazins „Le Point“ vom 22. Juni beschuldigt, eine algerische Immigrantin ohne Papiere als Haushaltshilfe zu beschäftigen. Zwei Mitglieder von La France insoumise, Jean-Luc Mélenchon nahe stehend (Garrido ist seine Anwältin), prominente Linkspopulisten also, die aber das Elend der Welt ausbeuten – ein journalistischer Traum.

          Zu schön, um wahr zu sein. Aziz Zemouri, Autor des Artikels, hat nach Veröffentlichung Bildschirmfotos mit Botschaften Garridos auf Twitter nachgereicht. Die als Beleg gedachten Bilder waren jedoch offenbar grobschlächtige Montagen; der Artikel wurde am nächsten Tag zurückgezogen. Tatsächlich ist der Journalist auf eine Fälschung hereingefallen. Auch Verletzungen der Sorgfaltspflicht musste Zemouri eingestehen: Er hat zugegeben, mit besagter Haushaltshilfe nie direkt in Kontakt gewesen zu sein, nur einmal ihre Stimme auf dem Anrufbeantworter gehört zu haben. Auf die Idee, die Beschuldigten vorab mit seinen Informationen zu konfrontieren, ist er nicht gekommen.

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