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Frankreich trauert um Soldaten : Rekruten der Freiheit

  • -Aktualisiert am

Bei der Gedenkfeier für die in Mali ums Leben gekommenen Soldaten der französischen Armee in Paris. Bild: dpa

Frankreich gedenkt der dreizehn Soldaten, die im Kampf gegen islamistischen Terror in Mali gestorben sind. In die Trauer mischen sich auch kontroverse Töne.

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          In einer denkwürdigen Zeremonie hat Frankreich am Montagnachmittag seiner dreizehn Soldaten gedacht, die in Mali, wo die französische Armee den Dschihadismus bekämpft, ums Leben gekommen sind. Das Verhältnis des Landes zu seinen Streitkräften ist unter dem Eindruck islamistischer Attentate wieder enger geworden. Gleichwohl störten schrille Misstöne die Landestrauer.

          Im „Le Journal du Dimanche“ forderte der Linksaußen-Politiker Jean-Luc Mélenchon den Abzug der französischen Truppen. Zu erwarten war auch die Reaktion von „Charlie Hebdo“. Die Satirezeitschrift widmet den toten Soldaten Karikaturen, die nicht nur den Generälen übel aufgestoßen sind. Die Zeichner, die bekanntlich nichts respektieren wollen, variieren Themen aus der laufenden Rekrutierungskampagne der Armee, die dringend auf Nachwuchs angewiesen ist. Unter einem Soldaten mit Totenkopf liest man die Legende: „Ich verteidige mein Land und komme in meinem Leben voran.“

          Als „äußerst empörend“ bezeichnete ein Sprecher der Armee die Darstellungen. Seit dem Anschlag der islamistischen Terroristen im Januar vor fünf Jahren vergisst man leicht, dass „Charlie Hebdo“ nicht nur antiklerikal ist und die Würdenträger der Kirche mit Hohn überhäuft. Zur Tradition der Zeichner gehört genauso der Antimilitarismus. Mit Generälen und Soldaten gehen die Karikaturisten nicht anders um als mit Rabbinern, Pfaffen und Päpsten.

          Darauf hat Riss, der Chefredakteur, in seiner Antwort an die Armeespitze verwiesen. Riss, mit bürgerlichem Namen Laurent Sourisseau, gehörte zu den wenigen, die das Blutbad in der Redaktion überlebten. Er hat darüber kürzlich ein Buch veröffentlicht. Sein Spott auf die dreizehn toten Soldaten beweist zumindest, dass er sein persönliches Trauma überwunden hat und die alten Reflexe wieder funktionieren.

          Anders als von den Terroristen, die im Namen Allahs morden und in der Redaktion von „Charlie Hebdo“ ein Massaker anrichteten, muss Riss die Armee nicht fürchten. Die dreizehn Soldaten der französischen Armee sind in Mali bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommen, weil sie gegen den dortigen Ableger der Terrormiliz IS und für die Freiheit kämpfen, als deren Ausdruck sich „Charlie Hebdo“ versteht.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

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