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Frankfurts Technisches Rathaus : Das kann dem Steuerzahler nicht gefallen

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Anselm Thürwächter hat das Technische Rathaus entworfen. Jetzt muss er sehen, wie es abgerissen wird Bild: Helmut Fricke - F.A.Z.

Ist es ein Betonklotz oder ein Meisterwerk? Das Technische Rathaus in Frankfurt symbolisiert die Architektur der sechziger Jahre. Sein Abriss ist beschlossene Sache. Sein Architekt Anselm Thürwächter aber fragt sich, warum.

          Ist es ein Betonklotz oder ein Meisterwerk? Der Abriss des Technischen Rathauses ist in Frankfurt beschlossene Sache. Sein Architekt aber fragt sich, warum.

          Sie waren vierunddreißig Jahre jung, als Sie sich 1963 mit Ihren Kollegen Wolfgang Bartsch und Hans Weber daranmachten, sich am Wettbewerb um das Technische Rathaus zu beteiligen. Wie erinnern Sie sich heute an diese Zeit: Waren Sie ein Stürmer und Dränger?

          Die Zerstörung des Krieges war ein Ereignis, das man in meinen Augen nicht einfach rückgängig machen konnte. Ich hatte die Stadt 1952 zum ersten Mal gesehen, als alles in Trümmern lag, das hat mich damals erschüttert. Der Anblick dieser totalen Vernichtung war für mich, der ich in Weimar aufgewachsen bin, ein starkes und einmaliges Erlebnis. Bis ich schließlich als junger Architekt hier mein Büro gründen konnte, vergingen noch mal zehn Jahre, aber ich hatte Frankfurt gegenüber stets ein sehr unbefangenes Verhältnis. Ich könnte mir bis heute nicht vorstellen, in einer anderen deutschen Stadt zu leben.

          Beton war das Material der Zeit: Das Rathaus vor historischen Ausgrabungsstätten

          Reste der Vorkriegsbebauung waren noch vorhanden.

          Deswegen gingen unsere Überlegungen auch in diese Richtung: Was ist erhalten geblieben? Der Dom, die Nikolaikirche, der Römer, das Steinerne Haus. Wie kann man diesen Rest an historischer Substanz mit Respekt behandeln und mit modernen Bauten zu einem Ensemble verbinden? Daraus resultierte die Idee, den Blick auf den Dom freizuhalten. Hinzu kam, dass vor dem Dom Bodenfunde vermutet wurden - aus römischer und karolingischer Zeit, die wichtigsten Erbstücke seit der Gründung Frankfurts. Der zentrale Gedanke war damals, diese freizulegen.

          Kritik entzündete sich früh an der Verwendung des Werkstoffs Beton.

          Beton war das Material der Zeit. Was uns widerstrebte, war, ein Gebäude zu errichten, das aussah wie ein Bankgebäude. Es gab besonders im Düsseldorfer Bereich viele Architekten, die bedenkenlos mit Naturstein bauten - ein Material, das die Nationalsozialisten liebten. Also war Naturstein belastet, und wir wollten natürlich dazu ein Gegengewicht. Heute denke ich darüber anders. Im Nachhinein war die Entscheidung für Beton vielleicht nicht so gescheit. Zumindest die Diskussionen wären anders verlaufen: Man könnte nicht abschätzig von einem „Betonklotz“ reden, wenn das Gebäude mit Sandstein verkleidet wäre.

          Für den Neubau wurden drei Altstadthäuser abgerissen, die man um die Jahrhundertwende an der Braubachstraße errichtet hatte. In einem davon war sogar eine Rokoko-Fassade eingemauert.

          Ich war jung und habe nicht darüber nachgedacht. Einer der Architekten, Hermann Senf, lebte damals sogar noch, aber das war für mich eigentlich kein Problem, das Haus eines Kollegen abzureißen. Ich empfand die Bauwerke als völlig belanglos. Als junger Mensch geht man ganz anders damit um. Das ist ein Naturgesetz, dass die Söhne mit ihren Vätern abrechnen.

          Sie hatten zwei Türme höher geplant, mussten die Planung dann aufgrund von Bürgerprotesten niedriger bauen. Hat Ihnen das nicht zu denken gegeben?

          Das ursprüngliche Raumkonzept war zu klein, wir standen plötzlich unter dem Zwang, viel mehr Leute unterzubringen. Die Vorgabe der Stadt war: Entweder kriegt ihr alles rein, oder es wird nicht gebaut. Das war eine schwierige Lage. Sie hat dazu geführt, dass so viel Baumasse entstand.

          Wann ist der Stimmungsumschwung gegen Ihren Bau eingetreten?

          Kritik hat ihn von Anfang an begleitet. Endgültig vollzogen wurde die Abwendung von der Architektur der sechziger Jahre wohl um das Jahr 1980 mit dem Aufkommen der Postmoderne.

          Es gibt heute junge Architekten in dieser Stadt, die Ihr Technisches Rathaus für ein Meisterwerk halten. Tröstet Sie das?

          Natürlich. Denn man muss schon sehen: Bis heute ist das Technische Rathaus nirgends so verrufen wie in Frankfurt - andernorts wird es als beispielhaft beurteilt.

          Ein ständiger Aufbau und Abriss: Frankfurt tut sich schwer, mit der eigenen Baugeschichte umzugehen.

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