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Frankfurts neuer Intendant : Webers Wahl

  • -Aktualisiert am

Die Wahl Anselm Webers zum neuen Frankfurter Schauspielintendanten ab 2017 ist zu begrüßen. Denn der Mann ist grundsolide. Das ist heutzutage schon etwas.

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          Intendant ist ein schwerer Beruf. Ein Handwerk. Man muss es lernen. Von der Pike auf. Und wenn man, sagen wir mal, ein so großes Haus wie zum Beispiel die Berliner Volksbühne leiten möchte, dann könnte es nicht schaden, wenn man vorher in Pforzheim oder Parchim sich im Metier ein bisschen erprobt hätte. In Hallodri-Tagen wie diesen, in denen Theaterdilettanten, die als Galeriemanager von Kultursenatoren, die als Hip-Hop-Manager sich ihre fragwürdigen Sporen verdient haben, auf die Berliner Volksbühne chefmäßig losgelassen werden, um dort zusammen mit Alt-Filmemachern (Alexander Kluge), Choreographen, Konzeptkünstlern und Performern ein Wischiwaschi-Allerlei zu kuratieren, ist die Nachricht geradezu ein kulturpolitisches Labsal, die jetzt aus Frankfurt kommt: Anselm Weber, zurzeit noch Schauspielchef in Bochum, wird im Jahr 2017 das Haus am Main übernehmen.

          Er folgt dann Oliver Reese nach, der bekanntlich ans Berliner Ensemble wechselt. Die Gefahr, dass das Berliner Beispiel schlechte Schule und sich jetzt landauf, landab städtische Kulturpolitik einen leichten Fuß machte und irgendwelche Quereinsteiger als Theaterchefs engagierte, die auf ein festes teures Ensemble verzichten und ihr Theater nur noch als billige Durchlauferhitzer für irgendwelche Schnellschuss-Events betrachten, scheint wenigstens für Frankfurt gebannt. Webers Wahl ist in dieser Hinsicht ein gutes Zeichen. Der gebürtige Münchner, Jahrgang 1963, hat nach Regieassistenz-Jahren in seiner Geburtsstadt bei Dieter Dorn und Hans Lietzau als Endzwanziger unter Peter Eschbergs Direktion in Frankfurt ein paar schlaue, flotte Inszenierungen hingelegt, unter denen eine „Jungfrau von Orleans“ in witziger, wenn auch untiefer Erinnerung ist. In der Schweeger-Zeit war er kurz Oberspielleiter mit wechselnder Fortüne.

          Er kehrt also dorthin heim, von wo er einst gestartet ist. Seine Frankfurter Regie-Arbeiten („Penthesilea“, „Hamlet“, „Die Präsidentinnen“), auch seine Inszenierungen fürs Deutsche Schauspielhaus („Nathan“ plus „Der Jude von Malta“) oder fürs Bayerische Staatsschauspiel zeigten eine Mischung aus naiver Gewitztheit und wackerer Solidität. Dass Weber als Intendant Moden und Trends à la „Stadtprojekte“ auch bedienen kann, hat er als Schauspielchef von 2005 an in Essen und seit 2010 in Bochum bewiesen, Häuser, für deren Ensemble-Fundamente er aber alleweil tapfer gekämpft hat. Der gestandene und gelernte Intendanten-Handwerker Weber hat neben sich wildere, unruhigere, phantasievollere Temperamente wie zum Beispiel Roger Vontobel und David Bösch gefördert und geduldet, die bis hin nach Hamburg und Wien Karriere gemacht haben. Die Frankfurter Kulturpolitik ist mit der Wahl Anselm Webers also kein Risiko eingegangen. Aber sie hat auch nichts falsch gemacht. Und das ist in diesen Tagen schon viel (siehe oben).

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