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Frankfurts Museumprojekt : Bündnis für Romantik

Und Goethe schaut zu : Petra Roth (rechts) und Friedrich von Metzler (Mitte) ziehen im Auftrag des Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann fortan mit dem Klingelbeutel durchs Land Bild: dapd

Der Magistrat will sparen, doch Oberbürgermeister Feldmann und seine Vorgängerin Petra Roth wollen das Romantikmuseum mit Spenden retten. Einen großzügigen Unterstützer gibt es bereits.

          Wer hätte gedacht, dass Petra Roth und Peter Feldmann aller politischen Gegnerschaft zum Trotz einmal romantische Gefühle miteinander teilen würden? Genau das ist geschehen. „Wir verstehen uns prächtig“, sagte der Frankfurter SPD-Oberbürgermeister zu seiner CDU-Vorgängerin, als beide jetzt im Freien Deutschen Hochstift ihr überraschendes Bündnis zur Rettung des Deutschen Romantikmuseums bekanntgaben. Dass Feldmann mit seinem Engagement auch die schwarz-grüne Stadtregierung vorführt, wird ihm nicht unrecht sein.

          Sandra Kegel

          Redakteurin im Feuilleton.

          Die beiden Politiker wollen eine Idee retten, die politisch schon erledigt war: Seit Jahren verfolgt die Hochstift-Direktorin Anne Bohnenkamp-Renken zielstrebig den Plan, neben dem Frankfurter Goethehaus ein Museum für die Archivschätze zur Romantik zu errichten, die ihr Haus seit hundert Jahren sammelt. Als das Nachbargebäude frei wurde und Stadt, Land und Bund sowie private Stiftungen sich bereit erklärten, den sechzehn Millionen teuren Neubau anteilig zu übernehmen, und auch die Betriebskosten durchgerechnet waren, schien die romantische Idee im Großen Hirschgraben Wirklichkeit zu werden. Da zog vor drei Wochen überraschend Frankfurts Magistrat (CDU/Grüne) seine Beteiligung an dem Projekt im Zuge einer Haushaltskonsolidierung zurück.

          Der Vergleich hinkt

          Nun hat Peter Feldmann das Romantikmuseum zum unverzichtbaren Projekt erklärt und Petra Roth sowie den Bankier und Frankfurter Ehrenbürger Friedrich von Metzler mit der Aufgabe betraut, über private Spender die Finanzlücke von vier Millionen Euro einzuwerben, die der Rückzug der Stadt hinterlassen hat. Dass es Interesse für ein solches Museum zur Romantik in Frankfurt auch jenseits der Stadtgrenzen gibt, bewies der Kölner Kunsthändler Karsten Greve, der bereits eine Million Euro zugesichert hat.

          Auf Spender wird es ankommen. Denn kaum einer hält es für möglich, dass der Frankfurter Magistrat seine Entscheidung gegen das Haus zurücknimmt. Dabei ist sie schwer nachzuvollziehen. Immerhin hätte die Stadt ein bislang in Deutschland einzigartiges Museum bekommen, dessen Kosten zu fünfundsiebzig Prozent von außerstädtischen Zuwendern aufgebracht worden wären. Deshalb hinkt auch der stets gezogene Vergleich mit dem ebenfalls verworfenen Museum der Weltkulturen. Der Ausbau dieses bereits vorhandenen Hauses hätte die Stadt an die achtzig Millionen Euro gekostet, also das Zwanzigfache.

          Erinnerung an ein Versprechen

          Wie verheerend Petra Roth den Beschluss ihrer Parteifreunde und der Grünen findet, daran lässt die Politikerin keinen Zweifel. „Eine solche Enttäuschung habe ich in siebzehn Jahren im Amt nicht erlebt“, sagte sie, die das Projekt als Oberbürgermeisterin vorangetrieben hatte. Jetzt sprach sie von „Vertragsbruch“ - weil auch mündlich getroffene Absprachen gelten. Die Stadt hingegen sei ausgestiegen nach dem Motto: „Was schert mich mein Geschwätz von gestern?“

          Petra Roth war damals erst mit der Zusage der Stadt an Bernd Neumann herangetreten, um für das Museum zu werben. In den Verhandlungen erinnerte sie den Kulturstaatsminister daran, dass Frankfurt das Suhrkamp-Archiv verloren hat, weil das Deutsche Literaturarchiv in Marbach mit Hilfe des Bundes mehr zahlen konnte. Damals habe Neumann versichert, beim nächsten Mal Frankfurt zu unterstützen. An dieses Versprechen hat Petra Roth ihn erinnert.

          Im Ausland gewürdigt, in Deutschland unterschätzt

          Roths Nachfolger Peter Feldmann, der gern mit seinem Desinteresse an Hochkultur kokettiert, hat nun seinen ganz eigenen Zugang zur Epoche der Träumer und Visionäre gefunden: mit der Schriftstellerin Bettine Brentano - als „Deutschlands erster sozialer Vorkämpferin“. Freilich riskiert ein Oberbürgermeister nichts, wenn er Bürger dazu auffordert, einzuspringen, wo die Politik versagt. Doch immerhin will er sich dafür einsetzen, dass das für das Museum vorgesehene Grundstück vorerst nicht anders bebaut wird und damit Fakten geschaffen würden, die unumkehrbar wären.

          Für die Hochstift-Direktorin Anne Bohnenkamp-Renken ist also noch nicht alles verloren. Der Imageschaden, den die Stadt Frankfurt momentan erleiden muss, freilich ist immens. Es sollte dem Magistrat zu denken geben, dass sich nicht nur Land und Bund, sondern ganz spontan auch ein Galerist von außerhalb zu dem Projekt bekennt. Er habe weder mit Frankfurt etwas zu tun noch verkaufe er Arbeiten aus der Epoche der Romantik, sagte Karsten Greve im Gespräch mit dieser Zeitung. Aber auf seinen Reisen ins Ausland sei ihm immer wieder bewusst geworden, welche Wertschätzung Deutschland für seine Erfindung der Romantik als Wegbereiter der Moderne erfährt. Nicht zuletzt wird es die Aufgabe dieses Museums sein, endlich im eigenen Land das Bewusstsein dafür zu schärfen. Deshalb werden Petra Roth und Friedrich von Metzler nun „mit dem Klingelbeutel“ durchs Land ziehen.

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