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Architekturbiennale : Es gibt keine Flüchtlings-, sondern eine Wohnungskrise

Nehmen Kurs auf Venedig: der Direktor des Deutschen Architektur Museums Peter Cachola Schmal (l.) und Kurator Oliver Elser Bild: Esra Klein

Ein Frankfurter Team kuratiert die Ausstellung im deutschen Pavillon auf der Architekturbiennale von Venedig. Ein Gespräch über die richtige Architektur für Flüchtlinge.

          Im deutschen Pavillon der Architekturbiennale in Venedig wollen Sie ein hochaktuelles, aber auch umstrittenes Thema ausstellen: „Making Heimat – Germany, Arrival Country“. Mit Blick auf die Stimmungs- und Nachrichtenlage in Deutschland: „Schaffen Sie das?“

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Peter Cachola Schmal: Wir schaffen das! Aber wir beobachten natürlich wie alle anderen in Deutschland mit angehaltenem Atem die Entwicklung. Viele Städte widmen sich der Aufgabe, die Flüchtlinge zu versorgen mit viel Herzblut und meistern die Situation sehr gut.

          Oliver Elser: Die Rückmeldungen der Architekten auf unseren „Call for Projects“ nach Flüchtlingsunterkünften in Deutschland sind sehr positiv. Ihre Euphorie ist ungebremst, sie haben gute Ideen und wollen ihre Projekte realisieren. Es ist wirklich so etwas wie eine Stunde der Architekten, die wir gerade erleben.

          Was verstehen Sie unter „Making Heimat“, Heimat zu schaffen?

          Elser: Wir werden in Venedig keine Ausstellung über Flüchtlingsarchitektur zeigen, sondern es soll um erfolgreiche Integrationsmodelle gehen. Eine zentrale Frage lautet: Was kann eine Stadt tun, damit aus Flüchtlingen Einwanderer werden können? Wir sehen die Architektur nicht nur unter dem Aspekt vorübergehender Unterbringung, wichtig ist auch, dass sie von Dauer ist. Wir werden sehen, wie viele Migranten wieder nach Hause gehen, wenn der Krieg einmal vorbei ist. Viele werden auch bleiben.

          Die Flüchtlinge von heute sind die Nachbarn von morgen?

          Schmal: Nicht nur das. Viele der Flüchtlinge von heute sind die neuen Deutschen von morgen. Wir reden vom Begriff „Migration“, müssten aber eigentlich von „Immigration“ reden. Deutschland hat sich noch nicht dazu bekannt, ein Einwanderungsland zu sein. Wir sind es aber de facto und müssen uns dieser Aufgabe stellen. Viele Neuankömmlinge werden einmal Bundesbürger sein, mit allen Rechten und Pflichten. Sie werden als Steuerzahler, Studenten, Arbeiter hier leben. Nicht als passive Flüchtlinge, die eine Betreuung erhalten, sondern als aktive Einwanderer. Das muss man fördern.

          Wie wollen Sie eine derart abstrakte Debatte ausstellen?

          Elser: Was man genau sehen wird, wollen wir noch nicht verraten. Mit den Berliner Gestaltern „Something Fantastic“ entwickeln wir eine Rauminstallation, die das Thema reflektiert und ein durchaus radikales Zeichen setzen wird. Dann werden wir Thesen zur „Arrival City“ formulieren, in Absprache und mit Beratung von Doug Saunders ...

          ... dem Autor des gleichnamigen Standardwerks...

          Elser: ... die wir reportagehaft mit Beispielen aus dem deutschen Alltag hinterlegen. Außerdem werden wir zeigen, wie Flüchtlinge in Deutschland untergebracht werden und fragen nach der Rolle von Architektur und Stadtplanung.

          Sie haben um die Zusendung neuer Projekte zum Bauen und Planen für Flüchtlinge gebeten. Wie war die Resonanz?

          Elser: Wir haben bislang etwa fünfzig bis sechzig Rückmeldungen bekommen, von der unmittelbaren Erstversorgung bis zum langfristigen Wohnungsbauprojekt. Eine Auswahl zeigen wir auch im Pavillon und dokumentieren sie auf einer eigenen Internetseite. Am 10. März schalten wir die Seite makingheimat.de frei. Die Resonanz ist schon jetzt sehr groß. Wir haben inzwischen eine Art Beratungsfunktion, immer mehr Kommunen, die der Lage Herr werden müssen, fragen uns nach Referenzprojekten.

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