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Frankfurter Paulskirche : Gedenken an Marcel Reich-Ranicki

Marcel Reich-Ranicki (1920 - 2013) Bild: dpa

Der im Vorjahr verstorbene Literaturkritiker und langjährige Leiter des Literaturblatts dieser Zeitung wäre am Montag 94 Jahre alt geworden. Die Stadt Frankfurt lud zu einer Gedenkfeier.

          Ulla Hahn begegnete Marcel Reich-Ranicki das erste Mal 1979, da war sie noch keine bekannte Lyrikerin, sondern Redakteurin bei Radio Bremen. Und als sie dem Kritiker auf Nachfrage gestand, selbst auch Gedichte zu schreiben, da entgegnete er ihr in seiner unnachahmlichen Art: „Schicken Sie mal!“

          Sandra Kegel

          Redakteurin im Feuilleton.

          Was aus diesen „Schicksalsworten“ folgte, wie Ulla Hahn dies gestern in der Frankfurter Paulskirche vor gut vierhundert Gästen erzählte, unter ihnen auch Sohn Andrew, war der Beginn eines Dichterlebens, das Marcel-Reich-Ranicki bis zu seinem Tod begleitete.

          Aufblühen mit 70

          Ulla Hahn war eine der Redner bei der Gedenkfeier für den langjährigen Literaturchef dieser Zeitung, der am 18. September 2013 verstarb. An diesem Montag wäre er vierundneunzig Jahre alt geworden. Der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann versprach, das Andenken an diese „große Persönlichkeit des zwanzigsten Jahrhundert“ lebendig zu halten.

          Vierzig Jahre lang lebten und wirkten Marcel und Teofila Reich-Ranicki in dieser Stadt. Frank Schirrmacher, Herausgeber des Feuilletons dieser Zeitung, erinnerte daran, wie der Kritiker seine Schaffenskraft mit siebzig Jahren noch einmal richtig entfaltete, als er mit dem „Literarischen Quartett“ Fernsehengeschichte schrieb und seine Erinnerungen als Überlebender der Shoa aufzeichnete. „Mein Leben“ ist heute Schullektüre und ein Bestseller in der ganzen Welt.

          Die Leidenschaft zur Meinung

          Dass Reich-Ranicki sich mit siebzig verhielt, als wäre er dreißig, hatte eine Grund, sagte Schirrmacher: „Jedes Jahr, jeder Tag, den er und seine Frau lebten, war ein Triumph über Hitler und das Dritte Reich.“

          Die Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin Ruth Klüger, die Reich-Ranicki 1967 in Ohio kennenlernte, wo ihre akademische Laufbahn begann, erinnerte sich der vielen Gespräche über Literatur, das war wie ein „Sucht“: Er habe der Literatur die Leidenschaft zurückgegeben, sagte Klüger, die Leidenschaft zur Meinung, die Goebbels und die Nationalsozialisten den Deutschen ausgetrieben habe.

          Die Rede von Rachel Salamander, Leiterin des Literaturforums dieser Zeitung, die von Marcel Reich-Ranicki die „Frankfurter Anthologie“ übernommen hat, wird am Montag im Feuilleton der F.A.Z. zu finden sein, ebenso die Würdigung von Heinrich Detering (am Vorabend schon in der F.A.Z.-App und als E-Paper). Wie der Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung Reich-Ranickis Rolle als „germanistischer Literaturkritiker“ und „Literaturkritiker der Germanisten“ herausarbeitete – das hätte dem großen Kritiker gefallen.

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