https://www.faz.net/-gqz-7zra5

Frankfurter Literaturstreit : Er will doch nur der Platzhirsch sein

Vier gegen vier: Auf dem städtischen Kulturportal werden – neben der Buchmesse, dem Börsenverein, der Nationalbibliothek und der Buchhändlerschule – vier Institutionen herausgehoben: das Literaturhaus, die Romanfabrik, das Goethe-Haus und das Hessische Literaturforum. Hinzu kommen die Festivals literaTurm, Frankfurter Lyriktage und Open Books. Hückstädt hat ein anderes, viel selektiveres Bild der Literaturstadt Frankfurt. Seine Fixsterne sind die Buchmesse, sein eigenes Haus, der Verlag S.Fischer (zum dem man ihm enge Kontakte nachsagt) und der Börsenverein.

Schwarze Dame gegen weißen König

Diese Rangliste wird all jenen nicht gefallen, die darin gar nicht vorkommen, aber Anteil am literarischen Leben der Stadt haben. Man denke an die Verlage Schöffling, Stroemfeld, Weissbooks, an das Goethe-Haus und das Freie Deutsche Hochstift, die Romanfabrik, die Poetikdozentur, an den Verein Frankfurt liest ein Buch, an Wolfgang Schopf vom Universitätsarchiv. Und man denke an die Frankfurter Verlagsanstalt, deren Betreiber Joachim Unseld ist, der als Vorsitzender des Vereins Literaturhaus Hückstädts erster Ansprechpartner ist. Auch er war nicht informiert, auch er wurde wie der Vorstand und das Kuratorium düpiert.

Frankfurts umtriebige Literaturreferentin: Sonja Vandenrath
Frankfurts umtriebige Literaturreferentin: Sonja Vandenrath : Bild: Frank Röth

Eine gegen einen, schwarze Dame gegen weißen König: Auf Seiten der Stadt ist das die 1965 geborene Literaturwissenschaftlerin Sonja Vandenrath, promoviert mit einer Arbeit über „Private Förderung zeitgenössischer Literatur“, aus Berlin zugezogen. Auf Seiten des Vereins, an der Schönen Aussicht 2 am nördlichen Mainufer residierend, ist das der 1969 geborene Literaturvermittler Hückstädt, der 2010 aus Göttingen an den Main kam. Hier die ehrgeizige, durchsetzungsstarke Vandenrath, dort ein sperriger Solitär, der stets eine Portion Metaebenen-Vokabular mit sich führt. Er wolle dorthin, wo die Kuratoren der Kunstmuseen längst seien, verkündete er unlängst am Rande einer von ihm ausgerichteten Tagung zum Thema Literaturvermittlung.

Offiziell sprechen nun alle Parteien nur in höchsten Tönen voneinander, inoffiziell ist es so, dass sich Hückstädt über die Jahre vom städtischen Veranstaltungselan an die Wand gedrückt sieht. Tatsächlich wächst die Visitenkarte der Leiterin des Fachbereichs Literatur beständig: „Leitung literaTurm/Open Books/Frankfurter Premieren“ ist dort zu lesen. Das Frankfurter Engagement ist, gerade im deutschen Städtevergleich, jedenfalls eher ungewöhnlich: Im Normalfall sind Kulturreferenten Ermöglicher, nicht selbst Intendanten.

Vertrag mit Auftrittsverbot

In Frankfurt hingegen ist ein Wettbewerb entbrannt, wer sich schneller die attraktiveren Autoren sichert, wer geschickter die Fördertöpfe anzapft. Hückstädt wirft der Stadt vor, mit Veranstaltungen wie Open Books die Preise zu verderben, weil das die Buchmesse in Stadtmitte begleitende Festival kostenlos sei. Autoren und Verlage begrüßen hingegen Zulauf und Werbeeffekt. Hückstädt ist allein auf weiter Flur mit seiner These. Nicht so allein ist er, wenn er beklagt, dass die Stadt sich mit Anträgen beim Kulturfonds Frankfurt/Rhein-Main Unterstützung für das Festival literaTurm besorgt.

Weitere Themen

Topmeldungen

Spitzenforscher kommen zurück : Hallo, Deutschland!

Von wegen Braindrain: Hiesige Universitäten ziehen Spitzenforscher aus der ganzen Welt an und könnten durch die Corona-Krise noch attraktiver werden. Mancher sieht eine „historische Chance“.
Shopping-Viertel in Peking: Chinas Oberschicht konsumiert wieder.

Einkaufsmanagerindex : Chinas Wirtschaft zieht an

Sowohl die Industrieproduktion als auch Dienstleistungen haben sich in der Volksrepublik positiv entwickelt. Die Aussichten für die chinesische Wirtschaft könnten jedoch vom Handelskonflikt mit den Vereinigten Staaten getrübt werden.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.