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Frankfurter Laden schließt : Zweitausendaus

  • -Aktualisiert am

Robert Egelhofer, Geschäftsführer von Zweitausendeins in Frankfurt, Anfang März im Laden am Kornmarkt Bild: dpa

Von Kubricks Film hatten sich die Gründer vor bald fünfzig Jahren den Namen geliehen. Jetzt geht es ihrem Laden wie dem Astronauten Frank Poole aus „2001: Odyssee im Weltraum“.

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          Im Jahr 1968 ist 2001 ferne Zukunft gewesen. Die Amerikaner planten gerade die erste Mondlandung, während Stanley Kubrick in „2001: Odyssee im Weltraum“ seine Astronauten bereits zum Jupiter fliegen ließ. Deren Reise endete in einer psychedelischen Farborgie, wie sie das begeisterte Kinopublikum bis dahin noch nicht gesehen hatte. Sie benebelte nicht zuletzt die Hirne zweier Himmelsstürmer in einer Frankfurter Wohngemeinschaft, weshalb sie ihren 1969 gegründeten Versandhandel für Bücher und Schallplatten „Zweitausendeins“ nannten.

          Der Verlag von Lutz Reinecke und Walter Treumann wurde zum Kraftwerk der Alternativkultur, das die Jugend der Republik bis tief in das flache Land unter subkulturellen Strom setzte. Leonard Cohen ließ mit seinen bei Zweitausendeins nachgepressten Platten seine Fans in Melancholie versinken, Frank Zappa rotzte fröhlich seine Unflätigkeiten, und Bob Dylan versicherte in seinem Song „Forever Young“ einer jungen Generation, dass sie auf ewig vom Alter verschont bleibe. Die Alben dieser und anderer Heroen der neuen, noch nicht kommerziellen Rock- und Popkultur gingen bei Zweitausendeins zu unschlagbar günstigen Preisen über die Theken der kleinen Läden, die in mehreren Großstädten entstanden.

          Das Herz hört auf zu schlagen

          Zu stark herabgesetzten Preisen konnte eine Käuferschaft mit noch schmalem Geldbeutel Restbestände erstklassiger Bücher aus den etablierten Verlagen erwerben, darunter Werke von höchstem Rang aus der Feder von Arno Schmidt, Bert Brecht oder Marcel Proust. Zu den verlegerischen Heldentaten von Zweitausendeins zählen Reprints des „Kursbuchs“ oder der Nachdruck von Karl Kraus’ „Die Fackel“. Mit dem Umweltreport „Global 2000“, von dem der Verlag mehr als eine halbe Million Exemplare unters Volk brachte, läutete Zweitausendeins 1980 das ökologische Zeitalter ein.

          Längst haben Verlag und alternativbewegte Kundschaft das Jahr 2001 hinter sich gelassen. Zweitausendeins ging es wie dem Astronauten Frank Poole in Kubricks Weltraum-Odyssee: Ein Computer kappte seine Lebensschnur. In diesem Fall hieß er nicht Hal 9000, die neuen Mörder tragen Namen wie Amazon oder Spotify. Diese Dienste bringen Literatur und Musik schneller und günstiger an Mann und Frau als der Verlag Zweitausendeins, der zu einem kleinen Online-Versandhändler geschrumpft ist. Am Samstag in einer Woche hört das eigentliche Herz von Zweitausendeins, das legendäre Ursprungsgeschäft am Frankfurter Kornmarkt, auf zu schlagen. „Bitte nein“, hat ein trauriger Kunde ins Kondolenzbuch geschrieben: „Zweitausendeins war ein Teil unseres Lebens.“

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