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Frankfurter Airport City : Hier wird der Welt gezeigt, was Ordnung ist

  • -Aktualisiert am

Das Beste frei kombinieren

Die wohl größte Airport City Europas sei auch sein mobilster Standort und einer der werbewirksamsten. Alle Autofahrer am Frankfurter Kreuz kämen nicht umhin, meint Müller, zumindest einen Blick auf die Gateway Gardens zu werfen. Vielleicht auch zwei oder drei, denn viele Gebäude wurden von Stararchitekten entworfen und prunken mit Extravaganz. Von Bilbao kann keine Rede sein. Es gilt ja keine Stadt mit hoher Arbeitslosigkeit und Kulturtief zu retten, sondern nur, das Optimale zu verbessern. Der Gateway-Gardens-Effekt lässt lediglich die Hochglanz-Fassade noch farbig schillern.

Der DB-Schenker-Büroturm des Frankfurter Architektenbüros Jo Franzke ist auch von außen eine Attraktion. Der Versorgungskern wird von drei Seiten umschlossen, in die, von außen deutlich sichtbar, fünf Wintergärten von je dreißig Meter Höhe integriert sind. Die Gärten verbessern das Raumklima und als Treffpunkt auch das soziale Klima, so die Idee.

„Organische Architektur“, erklärt Müller. Form follows function, die Form folgt der Funktion, das hätten sie von Saudi-Arabien abgeschaut. Globalisierung bedeutet hier, aus jedem Land der Welt das Beste abzuschöpfen und frei zu kombinieren. Aus Spanien – das erste Restaurant öffnet in wenigen Tagen – haben sie die Küche übernommen, aus Schweden die familiär freundliche Bürogestaltung, aus den Vereinigten Staaten den Sinn für Community und Networking.

Der Klingelton ein Motorbrummen

Ein Drittel der Gateway-Fläche ist bereits verkauft, ein Großteil davon bebaut. Neben der schillernden Hotelfassade der Frankfurter Neumann-Architekten gibt es auch eine, die, entworfen von Albert Speers Team, wie grob gewebt erscheint und deren eintöniges Grau regelmäßig von Rot durchbrochen wird, als sei alles ein riesiges Flechtwerk. Hier residiert das HOLM (House of Logistics and Mobility). HOLM ist eine interdisziplinäre Bildungs- und Forschungseinrichtung, die Dietmar Müllers vielbeschworenen „Campuscharakter“ wörtlich nimmt: Das Audimax des HOLM wird Forschern und Logistik-Studenten verschiedener Hochschulen zur Verfügung stehen. Die Studenten kommen gleich mit möglichen Arbeitgebern in Kontakt, die wiederum können von Forschungsergebnissen profitieren – ein System, das Müller meint, wenn er von „Vernetzung“ spricht.

Etwas weiter, im Gebäude der Condor, schwebt ein Flugzeugrumpf, den man durch große Scheiben auch von außen sehen kann. Aufblasbare graue Notrutschen führen vom Rumpf zum Boden. Hier findet das Sicherheitstraining des Condor-Personals statt. Es ist Teil des Flight-Operation-Centers samt Schulungszentrum mit Flugsimulator. Die Übungen lassen sich scheinbar auch von draußen kontrollieren, von der gesamten netten Gateway Community.

Hinter dem Condor-Zentrum warten weitere Hotels. Ihre Hauptaufgabe ist es, in Gateway Gardens Treffen von Firmenvertretern zu ermöglichen. „Face-to-face Meetings“ seien auch heute unabdingbar: „Bei den großen Geschäften zählt immer noch der persönliche Kontakt“, erklärt Müller. „Das heißt natürlich nicht, dass soziale Netzwerke, Skype und so weiter ausgeblendet werden sollen, die werden einfach parallel genutzt.“ Sein Handy gibt Laut, der Klingelton ein Motorbrummen.

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