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Andrea Diener, Redakteurin im Feuilleton

Schottergarten-Verbot : Vertreibung aus dem Kiesparadies

  • -Aktualisiert am

Gehört verboten – und ist es in Frankfurt künftig auch: ein Schottergarten in Bremen. Bild: dpa

Der Frankfurter Magistrat beschließt eine neue Freiraumsatzung: Bauherren müssen sich künftig auf Zwangsbegrünung einstellen.

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          Was genau eine „Begrünung“ ist, war bislang jedem Frankfurter Bauherren selbst überlassen. Leider interpretierten viele das Konzept etwas zu frei, hielten Steine für einen vollwertigen Bestandteil der Natur und kippten freigiebig Importschotter auf die Vorgärten. Dazu eine Konifere oder etwas Plastikbuchs, fertig. Man könnte argumentieren, dass jeder auf seinem Grundstück schalten und walten soll, wie er will, aber in der Summe bekommt man so keine Stadt grün. Ein Drittel des Stadtgebietes ist im weiteren Sinne bebaut, und wenn dazwischen nichts wächst, wird es sommers für alle heiß.

          Um die Freunde abwaschbarer Gartengestaltung in ihrem Tun deutlich einzuschränken, beschließt die Stadt Frankfurt gerade eine neue Freiraumsatzung für Neu- und Umbauten – und greift zu drakonischen Maßnahmen. Renitente Floraverächter werden fortan mit Geldbußen bei Zuwiderhandlung von bis zu 15.000 Euro zum Anpflanzen von Busch und Staude verdonnert. Damit keine Missverständnisse entstehen, legt die neue Satzung auch gleich fest, was eine Begrünung in ihrem Sinne ist, nämlich „dauerhafte Bepflanzung“. So richtig mit Blättern und Wurzeln und Fotosynthese und allem.

          Einfach Rollrasen als großflächige Auslegeware übers Grundstück zu tapezieren genügt leider nicht, denn pro angefangenen zweihundert Quadratmetern ist gemäß Vorschrift ein mittelgroßer Pflichtlaubbaum mit Erdanbindung zu pflanzen, dazu Sträucher auf mindestens zehn Prozent der Fläche. Das ärgert Investoren, weil es alles teurer macht und Pflastersteine günstiger sind, freut aber Vogel, Wurm und zumindest die Menschen, die finden, dass ein Baum immer besser ist als kein Baum.

          Weil der Magistrat jetzt schon mal dabei war, hat er andere Gartenvermeidungstaktiken gleich mitverboten, Plastikpflanzen zum Beispiel. Auch dürfen hohe Sichtschutzzäune nur noch maximal die Terrasse abschirmen, ums Grundstück herum müssen Zäune luftig sein oder gleich Hecken gepflanzt werden. Und damit nicht genug: Neu errichtete Garagen und Carports müssen eine mindestens acht Zentimeter dicke Erdschicht bekommen, auf der es sprießen soll. Auch Fassaden und Dächer müssen teilweise begrünt werden, und zwar „auf Teufel komm raus“, wie die Umweltdezernentin in der Frankfurter Neuen Presse verlautbaren ließ. Wer jetzt Angst hat, zeitnah aus seinem Kiesparadies vertrieben zu werden, kann sich allerdings entspannt den Liegestuhl zwischen die frisch gekärcherten Gabionenwände rücken und aufatmen: Für bestehende Schotterwüsten gilt Bestandsschutz. Noch.

          Andrea Diener
          Redakteurin im Feuilleton.

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