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Frankfurt feiert Max Beckmann : Der Schwerarbeiter im Abendschein

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Seelenzustand hinter Gitterstäben: Das Frankfurter Städel zeigt das Spätwerk von Max Beckmann, das er im amerikanischen Exil schuf. Keine Spur von Alterskitsch.

          Seine Gemälde glühen. Max Beckmanns Linienführung wirkt wie mit einem Schweißwerkzeug gemacht; pralle Frauen hat er an staksige, kleine Tänzer geheftet, wie auf „Begin the beguine“ von 1946. Oder Schüler auf dem Triptychon „The beginning“ von 1946/49 kantig in Holzbänke gepfercht; ein mutwilliger Akt. Seine groben Linien setzen die Komposition unter Spannung bis zum Bersten. Es gibt kein Luftloch, keine Leerstelle, die durchatmen lässt.

          Im Frankfurter Städel ist jetzt diese gewaltige Bilderwelt zu sehen; aber nicht in ihrer Gänze. Das Museum hat sich Max Beckmanns Jahre in den Vereinigten Staaten vorgenommen, sein in Europas weniger bekanntes Spätwerk also. In Leipzig und Basel sind parallel seine Bildnisse und Landschaften ausgestellt. Einundvierzig von insgesamt neunzig Gemälden, die in Saint Louis und New York entstanden, konnte das Städel nach Frankfurt bringen, darunter wichtige Werke aus dem Museum of Modern Art und dem Metropolitan Museum in New York. Begleitet werden sie von siebzig Zeichnungen, Aquarellen, Druckgraphiken und drei kleinen Skulpturen.

          Max Beckmann war ein strenger und stringenter Maler, ein Einzelgänger und Kauz, der seine Karriere aber minutiös organisierte, auch schon einmal Auflagenarbeiten für den Markt produzierte, schimpfte, wenn es nicht lief. Anders als Ernst Ludwig Kirchner oder Otto Dix ließ er sich im Spätwerk nicht vom Alterskitsch wegtragen. Bei Beckmann bleibt die Kantigkeit und Dichte Stilmittel, auch wenn die Darstellungen - je mehr Zeit im Frieden verging - milder und gefälliger werden.

          Blut fließt noch einmal auf seinem Gemälde „Perseus’ (Herkules’) letzte Aufgabe“ aus dem Jahr 1948. Eine im Vergleich zu seinen frühen Kriegsbildern eher plakative Horrorszene: Ein antiker Held schlägt einer weiblichen Figur, bei Perseus wäre es Medusa, das Haupt ab. Aus der Herkulessage ist ein gruseliges schwarzes Tier entsprungen. Das Drama spielt sich in einem engen Innenraum ab. Zeit und Raum sind aufgehoben.

          Linienführung wie mit einem Messer

          Diese Spätphase von Max Beckmann kann man nicht vollständig verstehen, wenn man nicht Teile seiner anderen Lebensphasen kennt: seine Zeit in Frankfurt von 1915 bis 1933, den Umzug nach der Entlassung von der Kunsthochschule nach Berlin und dann die Auswanderung 1937 nach Amsterdam, nachdem die Nationalsozialisten seine Kunst als entartet gebrandmarkt hatten. Und schließlich die Reise nach Amerika - ohne Rückkehr.

          Zwei Bilder sollen im Städel diese Lücke schließen; eines steht für seine frühe, durchdringende Kraft: Max Beckmanns „Kreuzabnahme“ von 1917, die 1919 von Georg Swarzenski für das Städel angekauft, aber schon 1937 beschlagnahmt wurde. Heute ist das harte Motiv im Besitz des Museum of Modern Art in New York. Der nackte Körper Christi ist totenstarr und ausgemergelt. Wie eine Holzpuppe nehmen ihn ein Mann und eine Frau mit angestrengter Miene von einer Leiter herunter. Maria, als erschöpfte Arbeiterin dargestellt, wendet sich vom Unerträglichen ab.

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