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Erinnerung an Frank Schirrmacher : Er war frei von Ideologien

  • -Aktualisiert am

Frank Schirrmacher Bild: Helmut Fricke

In einer Zeit, in der Deutschland nicht begreift, dass die Probleme der Welt seine eigenen sind, gemahnt Frank Schirrmachers Beispiel daran, mit Verve die Debatten zu führen, auf die es ankommt.

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          One man makes a difference - so heißt es, leider hat sich das bei meinen Anstrengungen im Leben selten bewahrheitet. Frank Schirrmacher wusste das wohl auch, deshalb hat er keine Gelegenheit ausgelassen, um so wenigstens statistisch die Chancen zu erhöhen, „to make a difference“. Das habe ich an ihm bewundert.

          Vieles empört uns, vieles sehen wir fatal auf uns zukommen. Kaum einer reagiert jedes Mal mit der gleichen Verve, wie Frank Schirrmacher es getan hat. Sich nie damit abfinden, dass die Dinge halt so sind, wie sie sind. Stéphane Hessels „Empört euch!“ schien für ihn geschrieben, wenn er es auch oft von linken auf konservative Werte umgemünzt hat. Ich korrigiere mich: Werte sind Werte, sie können gar nicht links oder konservativ sein. Sonst sind es keine Werte, sondern Ideologien. Und von denen war Schirrmacher frei.

          Volker Schlöndorff

          Als sehr junger Journalist, Praktikant noch, hat er den Besuch des sozialistischen Präsidenten François Mitterrand bei dem erzkonservativen Ernst Jünger miterlebt. Da wurde ihm klar, hat er mir mal erzählt, dass Etiketten nicht weiterhelfen. Auf die Menschen kommt es an. Und er wollte einmal zu denen gehören, auf die es ankommt. Was er geschafft hat, leider für zu kurze Zeit. Umso mutiger und unverdrossener sollten Junge jetzt seinem Beispiel folgen. Europa ist stumm, in Deutschland herrscht Grabesstille. Im Namen eines pazifistischen Ideals wollen wir uns aus allem raushalten. Dann müssten wir aber auch ein Armutsgelöbnis ablegen. Besitz verpflichtet, Reichtum erst recht. Verantwortung zu übernehmen, die Probleme der Welt als unsere zu begreifen - das ist der Preis, den der Exportkönig bezahlen muss. Schirrmachers Tod schreit danach, die Gespräche fortzuführen, sich zu artikulieren, persönliche Meinungen laut und deutlich auszudrücken, sich Debatten, auch Streit zu stellen.

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