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Franco A. : Kunst als Feind

  • -Aktualisiert am

Wer ist hier der „Feind“? Für Franco A. eindeutig die Aktionsgruppe „Zentrum für politische Schönheit“. Bild: dpa

Die Unterwanderung unterwandern: Seit Franco A. wissen wir, dass Subversion auch Werkzeug des nationalistischen Terrors sein kann.

          Für ein komplettes Psychogramm des festgenommenen Bundeswehroffiziers Franco A. sind die Informationen bislang zu spärlich. Doch den publik gewordenen Details seiner Masterarbeit, durch die er schon 2014 seinen französischen, nicht aber seinen deutschen Vorgesetzten als militanter Rassist auffiel, kann man immerhin einen Umstand entnehmen: ein ausgeprägtes Interesse am Begriff der „Subversion“.

          Die 140 Seiten lange Arbeit trug den Titel „Politischer Wandel und Subversion“, und in drei Kapiteln wird dargelegt, was A. darunter verstand: eine Unterwanderung der westlichen Gesellschaften durch planvoll betriebene „Heterogenisierung“. Schon die Untertitel des zweiten Kapitels, „Subversion auf soziokultureller Ebene“, liefern die einschlägigen Stichworte: „Migration“, „Autogenozid“, „Niedergang von Kulturen“. A. warnt vor einer „Durchmischung der Rassen“; die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte bezeichne „eigentlich etwas Fatales“. Deshalb taucht sie unter den Betreibern der Subversion ebenso auf wie „Diasporagruppen“, Lobbys und Medien.

          Was der Feind als nächstes tun will

          Wie die Geschichte weiterging, ist bekannt: A. wollte der von ihm diagnostizierten Unterwanderung offenbar eine eigene Subversion entgegensetzen. Er ließ sich erfolgreich als Flüchtling registrieren, um ausgerechnet unter dem Deckmantel derer, die er als Haupttriebkraft des Niedergangs bezeichnet, Anschläge zu verüben. Es hat daher seine eigene böse Logik, dass auf der in seiner Wohnung gefundenen Terrorliste außer Politikern wie Joachim Gauck, Heiko Maas und der Linken-Abgeordneten Anne Helm offenbar auch die Berliner Theateraktionsgruppe „Zentrum für politische Schönheit“ stand. Über Facebook und Twitter teilte die Gruppe mit, dass das Berliner Landeskriminalamt sie darüber informiert habe, und versichert, sie werde ihre „Arbeit selbstverständlich in voller Konsequenz fortsetzen“.

          A. hatte gefordert, man solle wie ein General auf seinem Feldherrnhügel beobachten, „was der Feind als nächstes tun will“. Offensichtlich hat er auf diese Weise in der „Politischen Schönheit“ einen solchen direkten Feind identifiziert: Auch die Aktionsgruppe betreibt Subversion mit wechselnden Identitäten – allerdings nicht zu terroristischen Zwecken, sondern um die Gesellschaft mit deren universalistischen Lippenbekenntnissen beim Wort zu nehmen. Bei der jüngsten Aktion „Flüchtlinge fressen“ etwa wurde die fortdauernde Flüchtlingstragödie im Mittelmeer als Zirkusspiel inszeniert, an dem sich die tatenlos bleibenden Wohlmeinenden ergötzen.

          Ob all die Versuchsanordnungen der Gruppe schlüssig sind, ist umstritten, aber jedenfalls steht sie in einer langen Tradition, der die Subversion als vornehmste Pflicht einer aufklärerisch orientierten Kunst gilt. Es sieht so aus, als müsse man sich auf eine neue Lage einstellen: Subversion kann jetzt auch ein Werkzeug des nationalistischen Terrors sein. Mit der Kunst als Feind.

          Mark Siemons

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

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