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Francesco Clemente in Frankfurt : Auf dem Ball der einsamen Herzen

Seine Bilder machen aus der Schirn beinahe eine Kathadrale, wären da nicht die Namen legaler Drogen auf den Körpern gemalter Nonnen. Francesco Clemente zeigt sich in Frankfurt als Abenteuerer der Malerei.

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          So weit und offen hat der zentrale Ausstellungsraum in der Frankfurter Schirn noch nie gewirkt. So erfüllt von einem Leuchten, das den Farben entspringt, war die Halle niemals zuvor. Als falle ein Licht herein - ununterscheidbar, ob von einem Außen oder Innen. Es ist von der triumphalen Transparenz, wie sie den bunten Fenstern in den hohen Kathedralen eignet. Es ist von der Zerbrechlichkeit, wie sie suchenden Seelen entspringt. Denn die Farben sind zu Formen geronnen, zu Körpern und Dingen und Zeichen.

          Rose-Maria Gropp
          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Sie fließen wahrhaftig ineinander, weil sie Wasserfarben auf Papier sind. Doch sie zerrinnen an keiner Stelle, nicht im geringsten blinden Zufall, auf diesen monumentalen Bögen, deren jeder einzelne das Format von 1,85 mal 3,65 Metern hat. Je fünf dieser Aquarellbilder fügen sich zu einer Einheit, an drei Wänden einander zugeordnet: ein vibrierendes Kraftfeld.

          Francesco Clemente hat „A History of the Heart in Three Rainbows“ im Jahr 2009 geschaffen, und der Titel ist Programm: Flammend rote Herzen hat er auf eine geheimnisvolle Reise geschickt zwischen Werden und Vergehen, Zerstückelung und Heilung, Gefangenschaft und Entgrenzung. Der Regenbogen, so sagt Clemente, ist die Brücke. Erklären will er damit gar nichts, wie er überhaupt niemals eines seiner Werke für Deutungen aufbereitet.

          Er wollte wissen, ob ihm das gelinge: Auf achtzehn Meter langen Papierbahnen riesige Aquarelle zu schaffen. Im Katalog gibt es ein Foto, wie er während der Arbeit daran auf einem speziellen Gerät kniet, während die Papierbahn auf dem Boden unter ihm ausgerollt ist.

          Optimistisch ist für ihn keine Kategorie

          Als er fertig war, hat er sie in fünf Teile zerschnitten. Ja, auch alle seine Freunde hätten gesagt, wie er das nur machen könne! Das Zertrennen kann auch ein Tribut an die Möglichkeit gewesen sein, die „Rainbows“ überhaupt zeigen zu können. Aber es mag vor allem das Abenteuer ihrer Schöpfung gewesen sein, an dem dieser Künstler sich erproben wollte, mehr noch als ihn das Ergebnis von Malrollen reizte, endlosen Schriftrollen ähnlich.

          Doch sehr bestimmt erklärt er, dass er nun die einzelnen Teile nicht aus ihrem Zusammenhang reißen wird, und dann sagt er noch: Erst als sie fertig waren, habe er selbst bemerkt, dass sie alle von der Isolation in die Vereinigung führen, mit dem jeweils mittleren Stück als Tiefpunkt auf diesem Weg. Ob er, am Ende, doch optimistisch sei? Clemente lacht, freundlich. Optimistisch ist keine Kategorie für diesen Künstler.

          Offenes Fließen anstelle eines geschlossenen Systems

          Vierzig Werke aus mehr als dreißig Jahren sind in der Schirn versammelt. Doch Francesco Clementes Schaffen ist nicht festzulegen auf einen Stil, eine Manier. Dass er sich der figürlichen Malerei widmet, führte ihn Ende der siebziger Jahre in den Dunstkreis der italienischen Transavanguardia, neben Sandro Chia und Enzo Cucchi. Aber Clemente ist nicht der Mann für eine Gruppe. Schon zuvor hatte er Indien für sich gefunden, wohin er bis heute immer wieder geht.

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