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Frage 7 : Wie kommt die dritte industrielle Revolution in Gang?

  • -Aktualisiert am

Weil die Atmosphäre kostenlos ist, konnten sich viele Innovationen nicht durchsetzen Bild: dpa

Die Schäden des Klimawandels seien gering, die Kosten des Klimaschutzes zu hoch. So sehen es die Ökonomen. Doch die Rechnung geht nicht auf, der Anstieg der Temperatur hat schon jetzt höhere Schulden verursacht, als bisher angenommen.

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          Welchen Wert hat die Erde? Welchen Preis der Klimaschutz? Bislang haben die Ökonomen darauf eine eindeutige Antwort gegeben, die vielen Umweltschützern als zynisch erschien: Die Schäden des Klimawandels seien gering, die Kosten des Klimaschutzes zu hoch. Den Einwand, die Erde habe einen Wert, der sich nicht in Geld messen ließe, haben Ökonomen nicht gelten lassen.

          Denn Klimaschutz, behaupteten sie, bedeute Verzicht auf Wirtschaftswachstum, was sich besonders gegenüber den Entwicklungsländern nicht rechtfertigen lasse. Der Verlust der Artenvielfalt, die Zerstörung von Korallenriffen oder die Zunahme von Dürren fielen weniger ins Gewicht als der Verlust von Wirtschaftswachstum, der mit Hunger, Krankheiten und mangelnder Bildung einhergehe. Eine ambitionierte Klimapolitik, die auf drastische Verminderungen der Treibhausgasemissionen setzt, sei daher nicht angeraten.

          Schäden sind höher als bisher vermutet

          Dieses Bild ist aus zwei Gründen von der Realität eingeholt worden: Die Schäden eines ungebremsten Klimawandels sind höher als bisher vermutet. Es hat sich aber auch gezeigt, dass die Kosten der Verminderung von Emissionen wesentlich geringer eingeschätzt werden können, als dies noch vor wenigen Jahren der Fall war.

          Vor allem amerikanische Ökonomen haben gezeigt, dass der Anstieg der globalen Mitteltemperatur weltweit höhere Schäden verursacht als bisher angenommen. Darüber hinaus konnten in den vergangenen Jahren Schwellenwerte im Erdsystem identifiziert werden, deren Überschreiten zu dramatischen Folgen führt: Die Versauerung der Ozeane und das Austrocknen des Regenwaldes infolge des Klimawandels könnten die Erderwärmung noch weiter beschleunigen.

          Darum raten viele Wissenschaftler, den Anstieg der globalen Mitteltemperatur gegenüber dem vorindustriellen Niveau möglichst auf zwei Grad zu begrenzen. Auch Ökonomen könnten sich mit diesem Vorsichtsprinzip anfreunden, wenn gezeigt werden kann, dass dies zu akzeptablen Kosten machbar ist.

          Ambitionierte Forschungsförderung vonnöten

          Neuere Untersuchungen unseres Instituts, die der britische Regierungsberater Stern in seinem Klima-Bericht mehrfach zustimmend zitiert und die auch im Vierten Sachstandsbericht des IPCC ausführlich diskutiert werden, zeigen, dass die Kosten des Klimaschutzes beträchtlich nach unten korrigiert werden müssen.

          Mit weniger als einem Prozent des weltweiten Wirtschaftswachstums lässt sich das Zwei-Grad-Ziel erreichen, was darauf hinausliefe, dass sich das Wirtschaftswachstum im 21. Jahrhundert lediglich um wenige Monate verzögerte. Dies ist dann der Fall, wenn die Politik Innovationen mobilisieren kann, wozu eine ambitionierte Forschungsförderung vonnöten ist.

          Die Kosten und Risiken verschiedener Energiestrategien müssen daher im Lichte ihres innovativen Potentials bewertet werden. Dabei dreht sich der Streit um vier große energiepolitische Optionen: Einsatz der Nuklearenergie; Priorität für erneuerbare Energieträger; Abscheidung von Kohlenstoff und seine Deponierung im geologischen Untergrund; und die Energieeffizienz.

          Ausbau des schnellen Brüters

          Die Nuklearenergie ist unserer Auffassung nach keine notwendige Option für den globalen Klimaschutz. Zurzeit tragen 435 Leichtwasserreaktoren 17 Prozent zur weltweiten Stromproduktion bei. In den nächsten drei Dekaden wird sich die globale Stromproduktion mindestens verdoppeln. Um den Anteil der Nuklearenergie an Stromproduktion auch nur konstant zu halten, müssten weitere 400 Leichtwasserreaktoren gebaut werden - geplant sind im Augenblick lediglich achtundzwanzig.

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