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Fotokunst : Weder ein Speicherfund, noch die „Helene Anderson Collection“: Es gab einmal . . . eine Pionier-Sammlung mit meisterlicher Fotografie

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Bei Sotheby's in London fand am 2. Mai 1997 eine spektakuläre Auktionen mit Ikonen der Fotografie statt, genannt die „Helene Anderson Collection“. Doch wer war Helene Anderson, deren Namen niemand kannte? Acht Monate später war die Jahrhundertauktion zum „Schwindel des Jahrhunderts“ geworden. Herbert Molderings' Recherchen haben ergeben, daß die Geschichte eine Fälschung war.

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          Es war wie im Märchen. Fünfundzwanzig Jahre nach dem Tod der Mutter steigt der Sohn von Helene Anderson in Frankfurt auf den Dachboden und findet dort eine Kiste mit einem Fotoschatz: 234 vorzüglich erhaltene Aufnahmen der bedeutendsten Fotoavantgardisten der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Fast niemand fehlt: Edward Weston und Imogen Cunningham aus den Vereinigten Staaten, El Lissitzky, Alexander Rodtschenko und Dziga Vertov aus der Sowjetunion, Man Ray, Florence Henri und Germaine Krull aus Paris sind in der Sammlung mit herausragenden Bildern vertreten. Den Schwerpunkt der Sammlung bilden getreu dem international führenden Rang, den die deutschen Fotoavantgardisten in jenem Jahrzehnt einnahmen, Albert Renger-Patzsch, Laszlo Moholy-Nagy, Umbo, Karl Bloßfeldt, Hugo Erfurth, Werner Burchartz, Raoul Hausmann und viele andere mehr. Die Abzüge sind fast ausnahmslos von musealer Qualität. Ikonen der modernen Fotografie, die man bis dahin nur als kleine Abzüge im Format achtzehn mal vierundzwanzig gekannt hatte, lagen hier zum ersten Mal als großformatige Ausstellungsprints vor.

          Am 2. Mai 1997 wurde diese fulminante Sammlung als „Helene Anderson Collection“ im Auktionshaus Sotheby's in London verkauft. Händler und Sammler sprachen vom „sale of the century“. Entsprechend hoch fielen die Preise aus. Statt der geschätzten 1,8 Millionen Mark brachte die Auktion mehr als das Dreifache ein: Für viele der Fotografien wurden zuvor undenkbare Rekordpreise gezahlt. Dem Musiker und Komponisten Sir Elton John war das Fotoporträt einer Katze von Umbo 195 000 Mark wert; der Produzent der James-Bond-Filme und Fotosammler Michael Wilson erwarb ein Muschelfoto Edward Westons aus dem Jahr 1927 für 245 000 Mark; für das auf 28 000 Mark geschätzte Bild „Lotte (Auge)“ von Max Burchartz, ein Highlight der modernen Werbefotografie, mußte der Sammler Manfred Heiting 189 000 Mark bieten, um es sich zu sichern.

          Die größten Museen der Welt wetteiferten mit den finanzstärksten Händlern und Sammlern um einige der berühmtesten Fotos der Moderne. So wurde dieser einzigartige Fotoschatz zwischen dem Museum of Modern Art in New York, dem Victoria and Albert Museum in London, dem Musée National d'art moderne, Centre Georges Pompidou in Paris, der Gilman Paper Company Collection in New York und den Sammlungen Elton John, Robert Wilson, Manfred Heiting und Thomas Walther, um nur die bekanntesten zu nennen, aufgeteilt. Viele der Fotos aus diesen Privatsammlungen befinden sich heute in Museumsbesitz: Die Thomas-Walther-Sammlung ging an das New Yorker Museum of Modern Art; die Gilman Paper Company Collection an das dortige Metropolitan-Museum; die Sammlung Heiting in das Museum of Fine Arts in Houston.

          Faszinierende Hinweise

          Wer aber war diese ominöse Sammlerin? Niemand hatte je zuvor von einer Fotosammlerin namens Helene Anderson gehört. Bereits zwei Tage vor der Auktion hatte der Verfasser in einem Artikel in der F.A.Z. (Feuilleton vom 30. April 1997) auf mehrere in Künstler- und Museumsarchiven aufbewahrte Briefe hingewiesen, die nahelegten, daß die Provenienz gefälscht war. Aus diesen Dokumenten ging hervor, daß einige der angebotenen Fotos von dem damaligen Direktor des König-Albert-Museums in Zwickau erworben worden waren. Dieser hatte jedoch nicht für das Museum, sondern für einen befreundeten Industriellen gekauft, dessen Name zum Zeitpunkt der Auktion noch nicht bekannt war. Von einer Helene Anderson war nirgends die Rede.

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