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Fotografie : Anton Corbijn über seine Bilder

  • Aktualisiert am

Der niederländische Fotograf Anton Corbijn in seiner Düsseldorfer Ausstellung Bild: dpa

In der Düsseldorfer Ausstellung spricht der niederländische Fotograf Anton Corbijn über seine eigenen Bilder. Ausschnitte aus der Audio-Führung.

          2 Min.

          Anton Corbijns Liebe zu seiner Arbeit und die Leidenschaft, mit der er dieser nachgeht, lässt sich auf seinen Bildern nur erahnen. Anschaulich wird sie, wenn er über seine Fotos erzählt. Mit Hilfe von Acoustic-Guides spricht der niederländische Künstler selbst zum Ausstellungsbesucher und gibt spannende Hintergrundinformationen.

          So zu der Entstehung der Porträts von Kraftwerk:

          „Die Fotografien von Kraftwerk wurden in Barcelona Anfang der 80-er Jahre gemacht. Es war nach einem „Kraftwerk“-Konzert, als ich hinter den Kulissen auf die Puppen von „Kraftwerk“ gestoßen bin. Sie sahen so beeindruckend aus, dass ich beschloss, einige Nahaufnahmen von ihnen zu machen. Ich fotografierte jeden Kopf nur einmal. Es sind die einzigen Bilder, die ich tatsächlich von dieser Gruppe habe. Erst vor ein paar Jahren habe ich sie wieder entdeckt und vergrößert. Ich finde, sie sehen fantastisch aus. Diese Fotos, denke ich, charakterisieren gewissermaßen die Musik und die Eigenart von „Kraftwerk“. Obwohl sie künstliche Gegenstände sind, erschienen sie mir doch sehr menschlich, und ich bin persönlich ein großer Fan von „Kraftwerk“, und ich liebe diese Bilder sehr.“

          Über seine Zusammenarbeit mit der kamerascheuen Gruppe Joy Division, die sich 1986 zu „New Order“ formierte, erzählt Corbijn:

          „Die Fotografie der Gruppe Joy Division entstand Ende 1979. Ich war gerade nach England gezogen, auch weil mir die Musik von Joy Division wirklich gefällt. Ich nahm Kontakt mit ihnen auf und konnte sie irgendwie zu einem Fototermin überreden. Ihr Album „Trip to unknown pleasures“ war gerade erschienen und das spiegelt auch die Aufnahme wider: eine Reise ins unbekannte Vergnügen zu unternehmen. Ein makabres Detail: der Sänger Ian bliebt zurück. Ein halbes Jahr nach der Aufnahme hat er sich das Leben genommen. Natürlich hatte ich keine Ahnung von seiner psychischen Verfassung. Aber von heute aus gesehen scheint die Idee, dass einer sich umsieht, während die anderen fortgehen, dem Bild eine ganz andere Bedeutung zu geben. Gerade deswegen wurde es ein sehr berühmtes Foto.“

          Die Geschichte zur Entstehung eines Bildes, das David Bowie nackt, nur mit einer Leinenwindel bekleidet zeigt, macht das Vertrauen deutlich, dass selbst Superstars wie Bowie Corbijn entgegenbringen:

          „Anfang der 80er-Jahre entstand dieses Bild von David Bowie hinter den Kulissen eines Theaters in Chicago nach einem Auftritt Davis als „elephant man“. Aus irgendwelchen Gründen hatte er es mir erlaubt, dieses Foto zu machen, obwohl ich keinen regelrechten Termin hatte. Aber es ist eins meiner Lieblingsbilder von Bowie, weil es so viel Nacktheit zeigt - nicht nur im körperlichen Sinne. Auch in seinen Augen und der ganzen Körperhaltung ist es zu sehen. Sie ist sehr offen, und ich glaube, David hat sich sehr selten so fotografieren lassen. Normalerweise ist er auf Fotografien viel aktiver. Dann will er oft eine Aussage machen, sei es über Mode oder etwas anderes. Dagegen ist dies - teilweise wegen seiner Kleidung, teilweise wegen seiner Körperhaltung und seines Ausdrucks - ein sehr ernstes Bild.“

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