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Fotografie 11. September : „Here is New York“ - Ein Denkmal in Bildern

  • -Aktualisiert am

„Here is New York”: Momentaufnahmen eines Tages Bild: NRW-Forum Kultur und Wirtschaft, Düsseldorf

Momentaufnahmen des 11. September 2001 in New York sind der Inhalt einer Ausstellung, die zum Jahrestag an mehreren Orten gleichzeitig eröffnet wird.

          In dieser Woche ist New York überall. In Zürich, Dublin, Tokio, Stuttgart, Dresden und Düsseldorf behaupten kurz vor dem ersten Jahrestag des 11. September mehrere Ausstellungen: „Here is New York“.

          Hunderte von Amateur- und Profi-Fotografien sind versammelt: aufgenommen vor den Anschlägen auf das World Trade Center, während der Katastrophe und danach. Die interessantesten sind aus der ohnmächtigen Spontaneität des dramatischen Geschehens entstanden: Leute, die ruhig auf der Straße gehen, während hinter ihnen der erste Tower zusammenkracht. Ein Mann, der mit blutüberströmtem Gesicht in die Kamera schaut, während hinter ihm Überlebende abgestützt werden. Ein Feuerwehrmann, der auf den rauchenden Trümmern liegt und telefoniert, während unter ihm noch Überlebende auf Hilfe hoffen.

          Der 11. September aus Augenzeugensicht

          Heute bildet diese Fotografie, die naturgemäß ohne Auftrag entstanden ist, das authentischste Erinnerungsmaterial an ein Ereignis, das immer noch die Gegenwart verändert. Schon lange hat sich die Tragik einer Stadt nicht so rasant auf die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Weltgemeinschaft ausgewirkt wie nach den dramatischen Anschlägen von New York. Die westliche Wirtschaftsmacht war im Mark getroffen. Dass die beiden Wolkenkratzer auch deren Symbol waren, war jedem nach den Angriffen plötzlich klar.

          Das Unglaubliche tausendfach mit Kameras festgehalten

          Wenige Tage nach der Katastrophe hatte eine kleine Galerie, die Prince Street Gallery, New Yorker Augenzeugen aufgerufen, persönliche Aufnahmen der Ereignisse rund um den 11. September in einer Ausstellung zu veröffentlichen. Spontan gründete sich der Verein „Here is New York“, der inzwischen über die Website www.hereisnewyork.org die Bilder für je 25 US-Dollar zugunsten eines Kinderhilfsfonds verkauft.

          Rekonstruktionsversuch, leicht didaktisch

          An Wäscheleinen wurden die Fotos von Profis und Amateuren eng beieinander im selben Format ausgestellt. Mehr als 750.000 Besucher tauchten ein in ein Meer von Bildern, deren Unglaublichkeit sie aus der jeweils persönlichen Sicht des Kameraausschnitts besser fassen konnten als über die hysterisch wiederholten TV-Aufnahmen der Massenmedien.

          Ein Jahr später wirkt die Rekonstruktion dieser improvisierten Schau museal. Seit Juli ist die Ausstellung bereits im Berliner Martin-Gropius-Bau zu Gast. An diesem Dienstag wurde sie in Zürich und Stuttgart eröffnet; bis zum 10. September werden Tokio, Dublin, Dresden und Düsseldorf folgen. Auf eine handverlesene Zahl von jeweils etwa 500 Bildern reduziert, ist aus der ergreifenden Prince-Street-Ausstellung ein reisefähiges Denkmal im Dienst des Kommerz zu einem guten Zweck geworden. Angesichts mehrerer Bildbände, die im Laufe diesen Jahres erschienen sind, überraschen die Bilder am Jahrestag nicht mehr wirklich. Nicht von ungefähr werden die Ausstellungen in Deutschland nicht etwa auf Einladung von Kulturinstitutionen gezeigt, sondern im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung.

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