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Reportagefotograf : Robert Frank gestorben

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Der Fotograf Robert Frank (1925-2019) Bild: Picture-Alliance

Sein Buch „The Americans“ zählte zu den einflussreichsten Fotobüchern überhaupt: Der am 9. November 1924 in Zürich geborene Fotograf Robert Frank starb am Montag im Alter von 94 Jahren.

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          Rauh, ungeschönt und mitunter grobkörnig: So hatte sich Amerika, das damals noch an den großen Traum glauben wollte, noch nicht gesehen. Doch der in Zürich geborene Schweizer Emigrant Robert Frank, der als Modefotograf für „Harper's Bazaar“ arbeitete, hatte einen scharfen Blick für die Widersprüche und Ungerechtigkeiten dieses Landes, für die Klassenunterschiede und geografischen Verwerfungen, für Konsumismus und Einsamkeit. Er sah das, was sonst keiner sehen wollte.

          Als 1954 das Fotobuch „The Americans“ in Frankreich erschien, für das Frank dank eines Guggenheim-Stipendiums zwei Jahre lang zusammen mit seiner Familie durch die Vereinigten Staaten reisen konnte, war diese Fotografie so revolutionär, dass man sie mit dem Begriff „snapshot aesthetic“ belegte. Doch war jedes der insgesamt 83 Bilder sorgsam aus einer großen Menge Negative ausgewählt. Auf große Begeisterung traf sein Werk damals nicht. Es waren die Beat-Poeten um Jack Kerouac, die als erste für Robert Franks Sicht auf die Amerikaner empfänglich waren. Kerouac steuerte ein Vorwort für die amerikanische Ausgabe bei, die erst 1959 erschien.

          Der Bildroman einer Reise in die Hölle: Ausstellung aus „The Americans“.
          Der Bildroman einer Reise in die Hölle: Ausstellung aus „The Americans“. : Bild: AFP

          Frank trat auch als Filmemacher in Erscheinung, am bekanntesten wurde seine Dokumentation über die Rolling Stones, „Cocksucker Blues“. Der Film geriet so drastisch in seiner Abbildung von Drogengebrauch und äußerst freizügiger Sexualität, dass Mick Jagger die Verbreitung verhindern wollte. Ein Gericht entschied schließlich, der Film dürfe nur jeweils fünfmal im Jahr und nur in Anwesenheit von Robert Frank aufgeführt werden.

          Später führte Robert Frank auch bei Musikvideos Regie, zum Beispiel im Jahr 1989 „Run“ der britischen Popgruppe New Order oder „Summer Cannibals“ von Patti Smith im Jahr 1996.

          Tragische Verluste im privaten Bereich führten jedoch dazu, dass sich Robert Frank stark zurückzog. Seine Tochter Andrea verlor er 1974 bei einem Flugzeugabsturz in Guatemala, eine Stiftung unter ihrem Namen verleiht Stipendien an Künstler. Sein Sohn Pablo wurde mit Schizophrenie diagnostiziert und starb ebenfalls früh. Seitdem nahm er nur noch ausgewählte Aufträge an und gab selten Interviews.

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