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Syrische Fotografien : Surreale Schicksale

  • -Aktualisiert am

Bevor Amenah mit ihren Kindern aus dem besetzten Palästinenserviertel in Damaskus fliehen konnte, gab es nur noch Gras zu essen. Bild: Omar Imam in "Fotos für die Pressefreiheit 2016"

Fotograf Omar Imam ist aus Damaskus geflohen. Er bedient sich konzeptioneller Fotografie, um die Schicksale der syrischen Flüchtlinge in libanesischen Lagern zu inszenieren.

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          Das Leben von Menschen auf der Flucht wird in Zahlen, Papieren und Statistiken dokumentiert. Es geht um Eckdaten: Wer, woher, wohin und wie die Versorgung gewährleistet werden soll. Und über allem steht die Frage „Wieviele?“. Es gibt zahlreiche fotojournalistische Projekte deren Motivation es ist, einen Einblick in das Leben und den Alltag der Flüchtlinge zu geben und in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für die Umstände zu schaffen, unter denen die Menschen flüchten, ankommen und weiterziehen. Meist dringen Bilder der klassischen Variante des Bildjournalismus in die Medien, wie es zum Beispiel die amerikanische Fotojournalistin Nicole Tung in ihrem Projekt „A Season of Migration“ zeigt.

          Um andere Perspektiven in Bezug auf Migration aufzuzeigen, gibt es auch experimentellere Ansätze, wie beispielsweise das Projekt „#refugeecameras“ des deutschen Fotografen Kevin McElvaney. Er verteilte im Dezember 2015 Einwegkameras an Flüchtlinge im türkische Izmir, damit diese selbst ihren Weg nach Europa dokumentieren konnten. Doch es handelt sich meist  um Bilder von Opfern, die als repräsentativ für die Schicksale vieler angeführt werden.

          Suha rettete ihrem Mann Hael das Leben, indem sie ihn versteckte. Omar Imam zeigt wie der Krieg die Frauen veränderte und die Männer schrumpfen ließ. Bilderstrecke
          Suha rettete ihrem Mann Hael das Leben, indem sie ihn versteckte. Omar Imam zeigt wie der Krieg die Frauen veränderte und die Männer schrumpfen ließ. :

          „Ich habe erlebt, wie die Flüchtlinge von Journalisten und Helfern nur noch als bedürftige Masse wahrgenommen wurden“, beobachtet der in Beirut ansässiger Fotograf Omar Imam. „Ihre Persönlichkeiten verschwanden hinter anonymen Zahlen und Größen, für die Zelte gebaut und Lebensmittel bereit gestellt werden mussten.“ Auch er musste 2012 aus Damaskus in den Libanon fliehen und wollte mit seinem Projekt „Live, Love, Refugee” die persönlichen Geschichten der Syrer inszenieren. „Das Elend syrischer Flüchtlinge ist tausendfach abgelichtet und immer wieder reproduziert worden - aber wer hat es wirklich begriffen?“ fragt er und bedient sich der konzeptionellen Fotografie, um die Wünsche, Träume und Ängste der syrischen Flüchtlingen in einem libanesischen Lager zu inszenieren. Seine Fotografien haben oft einen surrealistischen Stil und spielen mit Symbolen, um den Kern der Biografien und Persönlichkeiten in den thematischen Schwerpunkt zu rücken.

          Die Aufnahme „Das bittere Mahl“ erzählt beispielsweise die Geschichte von Amenah und ihren drei Kindern, die 2013 aus dem belagerten Palästinenserviertel in Damaskus floh. Da sie in dieser Zeit Gras essen mussten, inszeniert Imam eine Tischszene. Viele seiner Fotoserien und fiktionalen Kurzfilme beschäftigen sich mit Gewalt, Flucht und Entwurzelung. 2014 gehörte er zu den ersten Stipendiaten des „Arab Documentary Photgraphy Programs“ und konnte seine Arbeiten international ausstellen.  

          Gezeigt wurde das Projekt in "Fotos für die Pressefreiheit 2016“, einem Projekt von „Reporter ohne Grenzen“, das seit 1994 immer zum internationalen Tag der Pressfreiheit erscheint. Darin stellen renommierte Fotografen ihre Arbeiten unentgeltlich zur Verfügung. Die Erlöse aus dem Verkauf werden für die Menschenrechtsarbeit eingesetzt.

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