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Forschungspolitik : Elite-Institut KIT: „Aus Partnern wird eine Einheit“

  • -Aktualisiert am

Bild: Quellen: Forschungszentrum Karlsruhe, TH Karlsruhe, MIT

Im Oktober hatten die Juroren im Exzellenzwettbewerb eine Fusion von Universität und Helmholtz-Forschungszentrum in Karlsruhe noch bejubelt. Doch nun stutzte Forschungsministerin Schavan die Elite-Visionen zurecht.

          Hoch hinaus wollen die Universität Karlsruhe und das Helmholtz-Forschungszentrum vor den Toren der Stadt. Für den Plan, zum „Karlsruhe Institute of Technology“ (KIT) zu fusionieren und einen gemeinsamen Präsidenten zu berufen, gab es Applaus von höchster Stelle: Im Exzellenzwettbewerb der Hochschulen wurde das Vorhaben, die Forschungskräfte zu bündeln, mit einem 1. Preis belohnt. Doch seit Dienstag ist eine vollständige Fusion wieder vom Tisch. Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) einigte sich mit ihren baden-württembergischen Kollegen Frankenberg und Pfister, mit dem Präsidenten der Helmholtz-Gemeinschaft, Mlynek, sowie mit Vertretern aus Karlsruhe darauf, es zunächst mit einer „strategischen Partnerschaft“ zu versuchen.

          Gemeinsames Ziel sei das weitgehende Zusammenwachsen des Forschungszentrums Karlsruhe und der Universität Karlsruhe in einer strategischen Allianz unter dem Dach des KIT, heißt es in in einem Eckpunktepapier, das alle Beteiligten mittragen. Damit sollen die Missionen beider Einrichtungen, also die Exzellenzuniversität und das nationale Helmholtz-Forschungszentrum, bestmöglich verbunden werden. „Darauf aufbauend“ könnten neue Organisationsformen und Strukturen entstehen. Schavan sagte FAZ.NET am Mittwoch, die Bundesregierung habe ein großes Interesse daran, das prämierte Zukunftskonzept der Universität mit Leben zu erfüllen. Doch müßten beide Institutionen ihre spezifischen Missionen bewahren und auch für die Kooperation mit anderen Partnern offen sein. Auch sei nicht vorgesehen, daß der Universitätsrektor das Forschungszentrum leite oder umgekehrt.

          „Aus Partnern wird eine Einheit“

          Statt einer gemeinsamen Führung von Universität und Forschungszentrum durch einen KIT-Präsidenten soll es eine „verschränkte Mitgliedschaft“ des Universitätsrektors und des Vorstandsvorsitzenden des Forschungszentrums in den jeweiligen Führungsspitzen geben und später auch ein Stimmrecht. Damit machte Schavan deutlich, daß sie und Helmholtz-Präsident Mlynek einen neuen Vorstandsvorsitzenden für das zu neunzig Prozent vom Bund finanzierte Forschungszentrum bestellen werden.

          Ein Hauch von MIT: die TU Karlsruhe

          Der Rektor und Vorstandsvorsitzende der TH Karlsruhe, Horst Hippler, sagte FAZ.NET, das KIT sei auf einem guten Weg. Der Weg zu einer Zusammenführung der beiden Institutionen sei vorgezeichnet: „Aus den Partnern wird in Zukunft eine Einheit“, sagte Hippler. Wichtig sei, daß das KIT beide Partner umfasse und alle Weichenstellungen gemeinsam vorgenommen würden. Das deutsche MIT müsse „eine Einheit sein, mit einer gemeinsamen Führung und einem gemeinsamen Vorstand“. Kooperationen allein seien nicht ausreichend: „Wir müssen unsere Zukunft gemeinsam entscheiden und eine gemeinsame Identität entsteht“, sagte Hippler. Er hob hervor, daß das vom Exzellenzwettbewerb prämierte Zusammenwachsen nicht ewig dauern dürfe: „In vier Jahren müssen wir erklären, was wir mit dem Geld aus dem Exzellenzwettbewerb gemacht haben“, sagte Hippler. Bis dahin müsse sich das KIT gut entwickelt haben.

          Bis Mai 2007 sollen die Initiatoren des KIT nun einen konkreten Plan erarbeiten, wie sie an die Weltspitze kommen wollen. Denn die Idee hinter dem KIT ist, zum weltberühmten Massachusetts Institute of Technology (MIT) aufzuschließen.

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