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Zukunftspotentiale : Bildung ist das letzte Reservat

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Lernen auf dem iPod

Die Schüler anregen - das bringt mich zu meinem zweiten Punkt, dem personalisierten Lernen. In Medien und Technologie haben wir gelernt, wie man gezielt kleine Gruppen erreicht, wie man die Abrufhäufigkeit von Websites maximieren kann und wie man personalisierte Newsfeeds anbietet. Jetzt müssen wir dieses Wissen auf den Bildungssektor übertragen - wir müssen Mathematik interessant machen, diejenigen Schülerinnen der Mittelstufe ansprechen, die beispielsweise Physik studieren wollen, und für jeden Schüler eine personalisierte Lektüreliste zusammenstellen.

Wenn ein begabtes Kind den Stoff von vier Jahren in zwei Jahren schafft, warum sollten wir es nicht unterstützen? Und wenn ein Kind etwas mehr Zeit braucht, sollten wir ihm auch dabei helfen. Leider wird in allzu vielen Schulen noch immer nach einheitlichen Standards vorgegangen. Fragen Sie die Lehrer, wie das gehen soll. Fragen Sie, wie es ist, mit dreißig Schüler zu tun zu haben, von denen jeder seine individuelle Lerngeschwindigkeit hat und nach einer Methode lernt, die ihm als die beste erscheint. Heute müssen die meisten Schüler den Stoff in einem für alle gültigen Tempo und in einer einzigen Form lernen. Das ist frustrierend für die Fähigeren, die Langsamen fallen zurück.

Nehmen wir das Beispiel Bruchrechnen. Es gibt viele verschiedene Methoden, diese Rechenart zu unterrichten - die bei manchen Kindern funktionieren, bei anderen nicht. Warum sollten wir diese Einschränkung akzeptieren? Warum können wir nicht eine digitale Technologie zur Verfügung stellen, so dass der Lehrer auf die unterschiedlichen Bedürfnisse eingehen kann?

Für manche Kinder wäre die beste Lösung etwa ein Online-Lehrer, der sie Schritt für Schritt begleitet. Bei anderen könnte es ein Cartoon sein, angefertigt von den besten Zeichnern, die das Prinzip des Bruchrechnens deutlich machen. Bei wieder anderen könnte die beste Lösung so aussehen, dass sie dem kompetentesten Mathematiklehrer der Nation zuhören, der Fragen entwickelt, die das Kind, unter Anleitung des Fachlehrers, in seinem eigenen Tempo beantwortet. Wir müssen herausfinden, wie die Schüler am besten lernen und was sie für ihre Entwicklung brauchen.

Wir haben bereits ein derartiges Programm, das auf einen iPod geladen wird. Es wird an einer amerikanischen Schule auf Okinawa angewendet. Mit diesem Programm kann der Lehrer sofort feststellen, wo das jeweilige Kind gerade steht und dann den Stoff für die nächsten zehn Tage maßgeschneidert zusammenstellen. Und die Eltern können jederzeit verfolgen, was ihr Kind gerade lernt.

Kauf dir die Nobelpreisstunde

Das ist erst der Anfang. Im Internetzeitalter müssen Unternehmen dem Kunden die Möglichkeit bieten, Kleidungsstücke, Lebensmittel, Informationen und nahezu alle anderen Produkte, die er haben will, entsprechend individuellen Bedürfnissen zu erwerben. Ich fordere, das Gleiche für die Ausbildung unserer Kinder zu tun. Außerhalb der Schule gibt es das schon. Früher musste man reich sein, um die beste Oper oder Symphonie hören zu können. Heute kann man die besten Aufnahmen seines Lieblingskonzerts von Mozart für rund einen Dollar herunterladen. Und man kann sie beliebig oft spielen. Stellen wir uns etwa einen Lehrer in der Bretagne vor, der den besten Kurs in französischer Geschichte entwickelt hat - es gibt keinen Grund, warum dieses Material nicht sofort für jeden Schüler in Frankreich, oder in Vietnam, zur Verfügung stehen sollte.

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