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Zeppelin University ohne Präsident : Das war so vereinbart

Gut 800 Studenten finden Platz an der privaten Zeppelin University Friedrichshafen. Bild: dpa

Friedrichshafens Privat-Universität ist kopflos. Weit vor dem angekündigten Termin im Jahr 2015 ist ihr Gründer Stephan A. Jansen überraschend und mit sofortiger Wirkung zurückgetreten.

          Die Zeppelin University Friedrichshafen (ZU) ist eine kleine Hochschule am Bodensee mit gut achthundert Studenten und um die 35 Professuren. Im Jargon der Hochschulforschung könnte man sie eine „unternehmerische Universität“ nennen. Soll heißen: eine, die von oben geführt wird, um unkonventionelle Ideen zu verwirklichen. Der Unternehmer heißt seit ihrer Gründung Stephan A. Jansen.

          Als Geschäftsführer und Präsident hat der in Witten/Herdecke sozialisierte, von der systemtheoretischen Organisationsforschung herkommende Betriebswirt in elf Jahren, um es vorsichtig zu sagen, einiges geleistet. Die besondere Kombination aus wirtschafts-, sozial- und kulturwissenschaftlichen Studiengängen in Friedrichshafen geht maßgeblich auf Jansens Vorstellungen und die seines akademischen Netzwerks zurück. Nach Auskunft der Stiftungsrates steht die Universität, die sich zu mehr als siebzig Prozent - unter anderem aus Spenden und Stiftungsgeldern - eigenfinanziert, wirtschaftlich solide da. Ihre Absolventen können nicht über Karriereanschlüsse klagen, man hat auch schon unzufriedenere Studenten als auf dem Campus am See gesehen. Seit 2011 hat die Hochschule das Promotions- und Habilitationsrecht. Voilà.

          Die Universitätsförderer wussten nichts

          Soeben aber ist Jansen vor dem eigentlich angekündigten Termin im Jahr 2015 mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurückgetreten. Dem ging Anfang August die fristlose Kündigung des erst im Dezember 2012 eingestellten Kanzlers, Niels Helle-Meyer, durch den Stiftungsrat der Universität voraus. Gekündigt worden sei ihm, heißt es, weil die Gesellschafter perspektivisch anders für die Universität planten; fristlos, weil der Betroffene danach an die Öffentlichkeit gegangen sei. Helle-Meyer wiederum hat viel Rückhalt in der Universität, was Solidaritätsadressen für den Kanzler zeigen, die sowohl von der Hochschulverwaltung, der er vorstand, wie von den Professoren an den Stiftungsrat mit der Bitte um Rücknahme der Kündigung geschickt wurden.

          Was auch geschickt wurde, nämlich an den Konstanzer „Südkurier“ - wenngleich bislang unbekannt ist, von wem -, sind Details aus einer „Zusatzvereinbarung zum Geschäftsführeranstellungsvertrag“, den Jansen hat. Danach stehen dem Geschäftsführer Boni aus der Anwerbung privater Drittmittel zu. Die mit weiteren Unterlagen ausgestattete Zeitung nennt auch Beträge, für das Jahr 2009 insgesamt mehr als 68 000 Euro und für einzelne spätere Quartalsauszahlungen Summen zwischen 20 000 und 30 000 Euro.

          Dem früheren Präsidenten Stephan A. Jansen hat die Hochschule einiges zu verdanken.

          Jansen soll sie unter anderem als Anteil an privatwirtschaftlicher Lehrstuhlförderung erhalten haben, die von ihm eingeworben wurde. Solche Provisionen stammen aus dem sogenannten Gemeinkostenanteil der Förderung, mittels dessen zumeist allgemeine Belastungen einer Hochschule durch Drittmittelprojekte abgegolten werden: Raum-, Verwaltungs- oder Energiekosten. Die Förderer der Zeppelin University selbst - von Airbus und der IHK Ulm über die Caritas bis zur Telekom - teilen mit, von der genauen Verwendung dieses „Overheads“ nichts gewusst zu haben.

          Zwischen unternehmerischen und akademischen Orientierungen

          Nach Informationen des „Südkuriers“ kamen auch andere Universitätsmitglieder in den Genuss solcher leistungsbezogenen Vergütungen, jedoch lange in deutlich geringerem Umfang als Jansen. Das wiederum könnte schlicht daran liegen, dass jene firmenfinanzierten Lehrstühle in der Gründungsphase der Universität eben vor allem von ihm eingeworben worden sind. Jansen selbst kann jedenfalls nichts Außergewöhnliches in solchen Prämien erkennen. Leistungszulagen gibt es auch an staatlichen Universitäten. Die ZU, der Prüfer bereits 2013 die Rechtmäßigkeit der Auszahlungen bestätigten, will jetzt das Vergütungssystem selbst von unabhängigen Gutachtern analysieren lassen.

          Dass Jansen jetzt zurücktritt, liegt auch daran, dass er in einer Übergangsphase ohne Kanzler dasteht und eine weitere Ämterhäufung gewiss nicht mehr „darstellbar“ wäre, wie es im Jargon heißt. Von den Detailkonflikten, die seine restliche Amtszeit bestimmen würden, ganz zu schweigen. Zum Reizklima an der Universität, die anderes verdient hat, mag aber auch beigetragen haben, dass sie notgedrungen einer ständigen Spannung zwischen unternehmerischen und akademischen Orientierungen ausgesetzt ist. Nicht zuletzt musste sie wachsen und private Mittel für neue Lehrstühle einwerben, um die Akkreditierung als promotions- und habilitationsfähig durch den Wissenschaftsrat zu erhalten. Dass die so erzwungene einwerbungsorientierte Haltung der Universitätsspitze mit entsprechenden Anreizverträgen einherging, lag nahe. Der Preis dafür wird nun in Form eines unauflösbaren Knäuels an moralischen Vorwürfen bezahlt.

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