Wissenschaftliches Publizieren : Muss ich das lesen?
Das Netz ist eine mythische Fabel, die so oft wiederholt worden ist, dass sie ihre eigene Wirklichkeit geschaffen hat. Das ist die Erzählung vom Zusammenbruch aller Grenzen und Hierarchien, vom entfesselten Wildern und Sammeln, von der großen kreativen selbstbefruchtenden Unübersichtlichkeit. Der Radartyp, der selbstgesteuert durch das unüberschaubar gewordene Angebot driftet: „Man erkennt ihn an seinem Lässigkeitskult und an seiner Medienobsession, an rastloser Informationssammlung und an fun-morality.“ Besorgte Beobachter mahnen, dass die Bildung dabei zur „austauschbaren Ware verkommt“, aber andere feiern das endgültige Verschwinden des Autors, der in der „Geburt des Lesers“ wiederauferstehe. Nicht etwas Fertiges abliefern, sondern selbst als Schreibender wahrnehmbar bleiben in einem Prozess ohne vorher ausgemachtem Ziel, in dem der Leser zusammen mit vielen anderen die Texte ständig über- und weiterschreibt.
