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Bürgernahe Wissenschaft : Die Freiheit der Forschung

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Die Logik spontaner Ordnungen

Spontane Ordnungen bestehen demgegenüber nicht darin, dass alle Beteiligten dasselbe Ziel verfolgen. Sie beruhen vielmehr auf allgemeinen Regeln individuellen Handelns, die kein gemeinsames Ziel vorgeben, sondern lediglich der Verfolgung individueller Ziele wechselseitig anzuerkennende Grenzen setzen. So schreiben die Regeln des Straßenverkehrs den Verkehrsteilnehmern kein Reiseziel vor. Ihre Koordinationsfunktion liegt lediglich darin, durch geeignete Gebote Bedingungen zu schaffen, unter denen alle ihre Ziele reibungslos erreichen können.

Auch Marktwirtschaften sind ein Beispiel für spontane Ordnungen. Die für sie charakteristischen Regeln sind Eigentumsrechte, die eine Freiheit - sein Eigentum nach Gutdünken für eigene Ziele und Zwecke zu nutzen - mit einem Verbot - das Eigentum anderer nicht ohne deren Zustimmung zu gebrauchen - verbinden. Anders als die Regeln einer Organisation koordinieren Eigentumsregeln individuelle Handlungen nicht dadurch, dass sie alle Beteiligten auf ein gemeinsames Ziel festlegen. Ihre Pointe liegt vielmehr darin, allen zu ermöglichen, erfolgreich persönliche Ziele zu verfolgen, ohne sie darauf zu verpflichten, zugleich zur Verwirklichung der Ziele aller beizutragen.

Dessen ungeachtet lehren die Wirtschaftswissenschaften und die historische Erfahrung, dass marktwirtschaftliche spontane Ordnungen zu einem höheren gesamtgesellschaftlichen Wohlstand führen als Planwirtschaften.

Eigenheiten des wissenschaftlichen Erkenntniswegs

Mit Blick auf die Wissenschaften ist die Unterscheidung von Organisation und spontaner Ordnung von großer Wichtigkeit. Natürlich setzt erfolgreiche Wissenschaft Organisation und Organisationen im ganz üblichen Sinne voraus. Entscheidend ist aber, dass der Prozess des wissenschaftlichen Erkennens selbst nicht als ein im üblichen Sinne auf ein Gemeinschaftsziel gerichteter organisierter Prozess verstanden werden darf. Das vermeintlich gemeinsame Ziel der Erkenntnis ist viel zu allgemein, um eine Grundlage vernünftiger Planungen zu bieten: Nicht nur streben Wissenschaftler nach verschiedenen Erkenntnissen. Sobald wir die stets zu engen Grenzen des Vertrauten verlassen, ist umstritten, was als sichere Erkenntnis gelten darf.

Allerdings passt auch der Vergleich wissenschaftlicher Forschung mit der spontanen Ordnung des Straßenverkehrs oder der Marktwirtschaft nur zum Teil. Wir wären nicht zufrieden mit einem Wissenschaftssystem, in dem die Forscher ausschließlich persönliche Ziele verfolgten, selbst wenn sie darin überwiegend erfolgreich wären. Wissenschaft ist ein kooperatives kollektives Unternehmen, dessen Ziel ein systematischer gemeinsamer Erkenntnisgewinn ist, auch wenn vorab nicht zu sehen ist, welche Form dieser Gewinn annehmen wird.

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