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Bürgernahe Wissenschaft : Die Freiheit der Forschung

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Wissenschaftsfreiheit ist ein wesentliches Merkmal freiheitlich demokratischer Gesellschaften. Im Grundrechtsteil des Grundgesetzes heißt es in Artikel 5, Absatz 3, lapidar: „Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei.“ Artikel 5 begründet jedoch keinen politikfreien Raum uneingeschränkt autonomer Wissenschaft. Es gäbe keine moderne Wissenschaft ohne staatliche Finanzierung. Wissenschaft braucht Hörsäle, Seminarräume und Labore; nicht zuletzt müssen Gehälter an Wissenschaftler gezahlt werden, mit denen diese für Forschung und Lehre freigekauft werden. Welchen Grund gäbe es für die Mitglieder einer Gesellschaft, durch ihre Steuern wissenschaftliche Einrichtungen zu finanzieren, wenn diese nicht etwas hervorbrächten, das für alle von Nutzen ist?

Wir mögen, von den großen Philosophen der Antike inspiriert, Wissenschaft und zweckfreie Erkenntnis für an sich wertvoll halten. In einer pluralistischen Gesellschaft kann die Autonomie einer staatlich finanzierten Wissenschaft jedoch nicht im Rekurs auf eine autonome Wertsphäre der Erkenntnis legitimiert werden; denn darüber, ob es eine solche Sphäre tatsächlich gibt, bestehen begründete Meinungsverschiedenheiten. Ihre Berechtigung muss sich aus ihrem Nutzen für andere Ziele ergeben, zum Beispiel der Gerechtigkeit oder dem menschlichen Wohlergehen. Die Wissenschaft kann sich der Relevanzforderung nicht entziehen, ohne ihre eigene Legitimität in einer pluralistischen Demokratie in Frage zu stellen - mit der scheinbar dramatischen Konsequenz ihrer vollständigen politischen Vereinnahmung.

Wie passt dies zum grundrechtlichen Status der Wissenschaftsfreiheit? Artikel 5, Absatz 3 sagt ja nicht „Forschung und Lehre sind frei, insofern sie legitimen gesellschaftlichen Interessen dienen“, sondern schlicht und kategorisch „Forschung und Lehre sind frei“.

Wissenschaftsfreiheit als Koordinationsprinzip der Erkenntnis

Die Antwort auf diese Frage ergibt sich aus der funktionalen Rolle der Wissenschaftsfreiheit als Koordinationsprinzip wissenschaftlicher Kooperation. Das Problem liegt weniger in der Instrumentalisierung der Wissenschaften für die Gesellschaft. Es liegt vielmehr in einem mangelnden Verständnis der Ziele und der Steuerung kollektiver wissenschaftlicher Erkenntnisprozesse.

Es ist zunächst hilfreich, zwei Formen sozialer Koordination auseinanderzuhalten, die sich durch ihre Funktionsweise grundlegend unterscheiden, auch wenn sie in der Praxis stets eng verflochten sind. Der bedeutende Ökonom und Theoretiker des Liberalismus Friedrich August von Hayek hat sie als „Organisation“ und „spontane Ordnung“ bezeichnet.

Organisationen dienen einem vorgegebenen Zweck, zum Beispiel der Krankenversorgung. Je konkreter das Ziel einer Organisation formuliert werden kann, desto besser. Denn die Teile einer Organisation müssen so aufeinander abgestimmt werden, dass ihr jeweiliges Ziel durch das arbeitsteilige Zusammenspiel aller Beteiligten möglichst umfassend erreicht wird. Dies geschieht durch Hierarchien: Übergeordnete Instanzen wirken durch Verordnungen und Kontrollmaßnahmen darauf hin, dass untergeordnete Instanzen ihr Handeln an demselben Organisationszweck ausrichten. Organisation als Prinzip sozialer Koordination setzt einen hohen Grad an Einverständnis über das gemeinsame Ziel voraus und Kenntnisse darüber, was nötig ist, um dieses Ziel durch Kooperation zu erreichen. Je weniger Einigkeit über das gemeinsame Ziel besteht und je weniger darüber bekannt ist, was man gemeinsam tun muss, um es zu erreichen, desto schlechter funktionieren solche Organisationen.

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