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Wilhelm Hennis im Gespräch : Nun wollte ich sehen, wie der Staat arbeitet

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Die Jugend in Venezuela lehrte Hennis das Misstrauen gegenüber Projekten Bild: Mohr Verlag

Der Gelehrte Wilhelm Hennis hat wie kein zweiter die Bundesrepublik mit staatswissenschaftlichen und politischen Kommentaren begleitet. Im Gespräch mit der F.A.Z. blickt er zurück auf ein Leben für die Politik als praktische Wissenschaft.

          Der Gelehrte Wilhelm Hennis hat wie kein zweiter die Bundesrepublik mit staatswissenschaftlichen und politischen Kommentaren begleitet. Im Gespräch mit der F.A.Z. blickt er zurück auf ein Leben für die Politik als praktische Wissenschaft.

          Herr Hennis, lassen Sie uns autobiographisch vorn beginnen. Wie sind Sie aufgewachsen, in was für einem Elternhaus?

          Ich bin in einem wundervollen Haus aufgewachsen, richtige Großfamilie, eines dieser um Hildesheim liegenden Landschlösschen der adeligen Domherren. Es steht heute ganz für sich an der Innerste, einem kleinen Fluss. Eine traumhafte Jugend mit einer Schwester und drei Cousins im Hause, so dass wir genügend Spielgefährten im Haus hatten. Und dann kamen sie auch aus der ganzen Verwandtschaft, um in diesem großen Garten, der zu dieser Gärtnerei gehörte, zu spielen.

          Von großelterlicher väterlicher Seite komme ich aus einer richtigen Pfarrersdynastie aus Witte, da gibt es massenweise Superintendenten in Niedersachsen, und in der Christuskirche, oben beim Marienberg, da residierte der große Herr Pastor, dessen eine Schwester meine Großmutter gewesen ist, die eine sehr zauberhafte Frau gewesen sein muss und sehr früh starb. Sie hatte noch zwei Schwestern, richtige Besen, so alte Jungfrauen, die darauf aufpassten, dass Helmi, mein Vater, und Trude auch ja den rechten Lebenswandel führten.

          Und das führte die dazu, den lieben Gott im Wald zu suchen. Sie hatten, was ich später immer sehr bedauert habe, recht wenig Verhältnis zu religiösen Fragen. Das wurde ihnen von diesen alten Jungfern so richtig ausgetrieben. Mein Vater hat dann in Herrenhausen Gartenplanung studiert. Aber er war naturwissenschaftlich, außerhalb der Pflanzen, uninteressiert. Er war ein hervorragender Botaniker, aber das war Kenntnis, das war wie bei einem Sammler, keine wissenschaftliche Ergründung.

          Als Sie zehn Jahre alt waren, 1933, wanderten Ihre Eltern aus. Geschah das aus politischen Gründen?

          Mein Vater war ein musischer Mensch, sein eigener Vater ließ ihn reisen, und das war später die Grundlage dafür, dass wir aus Deutschland weggegangen sind. Sein Bruder war ein richtiger Stahlhelmer und später ein Nazi, und mein Vater konnte damit nun gar nichts anfangen. Er war von der weltläufigen Art meines Großvaters. Wenn der ihm erzählte, Junge, wenn du nach Medellin kommst, dann reite in Richtung Honda, und eine Stunde vor Honda da musst du dich rechts in den Wald reinschleichen und dann in Richtung eines kleinen Pueblos, da wachsen cattleya triane - solche Erzählungen habe ich als kleiner Junge, sechs-, achtjährig, mitbekommen und staunte über das Ortsgedächtnis meines Großvaters.

          Das war ein Beobachter! Im Februar 1933 stürmte dann mein Onkel zu uns hoch: „Helmi, deine Freunde haben den Reichstag angezündet.“ Mein Vater hatte wohl schon lange mit dem Gedanken an Auswanderung gespielt, er hatte viele Freunde, auch Orchideensammler, in Venezuela und Kolumbien. Während mein Großvater in der ganzen Welt, wo es Orchideen gibt, herumgekommen ist, bis nach Hinterindien, war mein Vater nur in Kolumbien und Venezuela gewesen. Einer seiner Gönner war Mr. Five-Prozent von Venezuela.

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