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Weltbildungsmarkt : Weltweit in New York studieren

  • -Aktualisiert am

Tor zur Welt: Der Muttercampus der New York University Bild: Jean-Christophe BENOIST

Amerikanische Universitäten eröffnen immer häufiger Standorte im Ausland. Die New York University hat sogar ein weltweites Satellitennetz aufgebaut. Was will sie damit erreichen?

          Die Universitäten in den Vereinigten Staaten müssen jeden Tag einen Spagat bewältigen. Einerseits erfüllen sie einen öffentlichen Bildungsauftrag, andererseits müssen sie nach betriebswirtschaftlichen Maßstäben handeln, und das oftmals ohne staatliche Zuschüsse. Das ist kein leichter Balanceakt. Nicht jede Institution kann es sich leisten, allein durch Studiengebühren den teuren Lehr- und Forschungsbetrieb zu finanzieren, der eine Universität konkurrenzfähig macht. Also suchen sich amerikanische Hochschulen immer häufiger externe Partner, um an Geldquellen zu kommen. Die einen gehen Kooperationen mit Unternehmen ein, wie es etwa die University of Michigan mit Google tut. Andere suchen sich Sponsoren. Wieder andere expandieren ins Ausland und eröffnen Zweigstellen, um auf diese Weise Partnerschaften mit ganzen Staaten einzugehen.

          Das prominenteste Beispiel eines solchen Satelliten-Campus ist die New York University (NYU). Die 1831 gegründete größte amerikanische Privatuniversität hat in vierzehn Ländern Dependancen eröffnet, um ihren Studenten Auslandsaufenthalte unter amerikanischen Bedingungen zu ermöglichen. Ob nun NYU in Berlin, Prag oder Paris: an den Orten werden die Studenten von englischsprachigen Professoren unterrichtet, die Kurse sind nach dem amerikanischen Modell aufgebaut, und alle Scheine und Noten können nach der Rückkehr ohne große Probleme angerechnet werden. Das spart Zeit und macht einen Auslandsaufenthalt attraktiv. Mittlerweile verbringen fast fünfzig Prozent aller NYU-Studenten mindestens ein Semester im Ausland.

          Doch die NYU geht noch einen Schritt weiter. In den vergangenen zehn Jahren hat sie in Abu Dhabi und Schanghai Zweigstellen eröffnet, die wie autonome Universitäten funktionieren: mit eigenen Studenten, Professoren und einem eigenen Budget. Nur das Bildungsmodell ist amerikanisch und soll China und den Vereinigten Arabischen Emiraten zeigen, wie man eine offene, transparente und freie Universität ohne intellektuelle Dogmen betreibt. Das Pilotprojekt soll die NYU als internationale Netzwerk-Universität stärken und zugleich die Präsenz in jenen Ländern ermöglichen, die für den Weltmarkt immer wichtiger werden.

          Kulturelle Konflikte

          Was in der Theorie nach einem sinnvollen Unterfangen klingt, hat in der Praxis seine Tücken. Denn obwohl die NYU penibel darauf achtet, die Zweigstellen nach dem freien amerikanischen Bildungsmodell zu betreiben, kommt es vor, dass sie mit den staatlichen Organen der Partnerländer in Konflikt gerät. Bestes Beispiel ist das Einreiseverbot des Kulturwissenschaftlers Andrew Ross in die Vereinigten Arabischen Emirate. Der NYU-Professor hat eine Forschungsarbeit publiziert, in der er die schlechten Bedingungen von Hilfsarbeitern beim Bau des NYU-Campus in Abu Dhabi behandelte. Daraufhin sei er, so Ross in einem Interview, bespitzelt worden und man habe ihm vor einem Flug die Einreise in den Golfstaat verweigert. Stimmen wurden laut, dass die NYU, die über einen starken linken Kader verfügt, nicht deutlich genug protestiert und die ökonomischen Ziele ernster genommen habe als die akademische Freiheit ihres Professors.

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