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Vegetarier : Sensibel, klug - und ausgegrenzt?

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Lücken und Schwierigkeiten

Aber auch die Frage, warum jemand überhaupt Vegetarier wird, konnte von Wissenschaftlern bisher nur teilweise beantwortet werden. Vertreten seien zum einen gesundheitliche, zum anderen ethische Gründe und außerdem die Absicht, die Umwelt zu schützen und einen Beitrag gegen den Klimawandel zu leisten, sagt Matthew Ruby. Man wisse kaum etwas darüber, wie sich die jeweils anders motivierten Vegetarier unterscheiden, aber auch nicht, wie die Fleisch essende Umgebung auf die unterschiedlichen Motivationen reagiere, ob sie sich etwa stärker angegriffen fühle, wenn ethische Gründe dahinterstehen: „Die Menschen in der Umgebung könnten annehmen, dass die Vegetarier ihnen etwas vorwerfen“, mutmaßt Ruby.

Die Forschung über Vegetarier weist allerdings noch weitere Lücken und Schwierigkeiten auf: Noch immer bezeichnen sich viele Menschen als Vegetarier, räumen aber gleichzeitig ein, regelmäßig Fisch, Geflügel oder auch andere Fleischsorten zu essen. Und zuletzt müssen die emotionale Situation und die gesellschaftliche Position von Vegetariern auch über längere Dauer betrachtet werden, denn sie ändern sich möglicherweise dadurch, dass der Lebensstil zum Trend avanciert. Derzeit scheinen Bücher wie „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer und prominente Vorbilder wie Paul McCartney diesen Trend zu forcieren.

Bisweilen kann ein so inspirierter Vegetarismus aber von kurzer Dauer sein. Das belegt eine noch unveröffentlichte Studie des Psychologen Paul Rozin von der University of Pennsylvania, der untersuchte, wie die Lektüre des Bestsellers „The Omnivore’s Dilemma“ von Michael Pollan die Einstellungen von College-Studenten zum Thema Ernährung und Lebensmittelwirtschaft verändert. Zwar war in den Vereinigten Staaten Jonathan Safran Foers Buch „Tiere essen“ (2009) genau wie in Deutschland sehr erfolgreich, ebenso großen Einfluss hatte aber Pollans „The Omnivore’s Dilemma“ (2006), das sich auf 600 Seiten kritisch mit der Lebensmittelindustrie auseinandersetzt.

Rozin nahm in seine Studie 600 Studenten der University of Pennsylvania auf. Darunter waren mehr als 300 Erstsemester, die als Teil eines Projektes „The Omnivore’s Dilemma“ während der Sommersemesterferien gelesen hatten. In einer Online-Befragung zu Semesterbeginn zeigte sich, dass die Erstsemester sich stark für ökologisch erzeugte Lebensmittel interessierten, sie vermehrt kauften und zudem ungern Fleisch aßen - so gaben sie es zu Protokoll und unterschieden sich darin deutlich von Studenten, die das Buch nicht kannten. Ein Jahr später wurden dieselben Studenten erneut befragt. Der Effekt war verflogen: Ihre Antworten unterschieden sich nicht mehr von denen derer, die das Buch nie gelesen hatten.

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