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Urheberrecht in der Wissenschaft : Für Fairness und Ausgewogenheit

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Bei den Marktführern Elsevier, Springer und Wiley-Blackwell sind Preiserhöhungen von 1990 bis heute von 500 Prozent und sogar mehr keine Seltenheit. Und das, obwohl die Verlage den wissenschaftlichen Autoren in aller Regel keine Honorare bezahlen, sie auch nicht an den Gewinnen beteiligen, die Autoren ihre Aufsätze bereits im Verlagsformat einreichen und auch die am peer-review-Prozess beteiligten Wissenschaftler zumeist keine Honorare erhalten. Kosten entstehen für den Verlag im Wesentlichen bei der Organisation dieses Prozesses, beim Druck, beim Vertrieb und beim Betrieb der elektronischen Plattform sowie beim Marketing ihrer Produkte.

Vermarktung als Schikane

Diese Preisentwicklung hatte in den vergangenen Jahren gravierende Folgen: Bibliotheken mussten Zeitschriftenabonnements kündigen und können weniger Monographien anschaffen. Der damit verbundene Verlust der Literaturversorgung in der Breite hat Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit der Wissenschaft selbst. Es entsteht zudem ein Verdrängungswettbewerb, der insbesondere die Existenz von Klein- und Spezialverlagen gefährdet. Die starke Marktstellung großer Verlage führt nämlich zu Vermarktungspraktiken, die durchaus als schikanös einzustufen sind. So wird den Bibliotheken im Rahmen von Paketangeboten der Einkauf ganzer Zeitschriftensortimente aufgezwungen, die nicht dem Bedarf der Bibliothek entsprechen.

Der Urheber selbst wird mit einem für den juristischen Laien kaum nachvollziehbaren digitalen Vertragsentwurf konfrontiert, der als Voraussetzung der Manuskripteinreichung lediglich per Knopfdruck bestätigt werden kann. An gleichberechtigte Vertragshandlungen zwischen Autor und Verlag ist in einem solchen Setting nicht zu denken. Und dies alles vor dem Hintergrund, dass die öffentliche Hand die Forschung und die dafür notwendigen Bibliotheken und Informationsinfrastrukturen finanziert. Sie bezahlt nicht nur das Forschungsergebnis, indem sie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zum Zwecke des Erkenntnisgewinns fördert; sie kommt anschließend auch für die Abonnements der Journale auf, in denen die Erkenntnisse verschriftlicht werden. Damit bezahlt letztlich die öffentliche Hand - zumindest teilweise - die eigene Leistung.

Komplexe Vorschriften beim Digitalversand

All dies belegt, dass das jahrhundertealte Modell der Arbeitsteilung von Wissenschaft und Verlagen zum beiderseitigen Vorteil von einer kleinen, aber mächtigen Gruppe von Verlagen lautlos aufgekündigt wurde und daher nicht mehr funktioniert. Einer anstehenden Neuregelung des Urheberrechts kommt die Aufgabe zu, das Gleichgewicht zwischen den Interessen der Urheber, der Nutzer und der Rechteverwerter im Wissenschaftsbereich wiederherzustellen.

Diese Forderung adressiert auch die im Urheberrecht verankerten Regelungen, sogenannte „Schranken“, die Zugang und Nutzung wissenschaftlicher Werke im digitalen Zeitalter betreffen. Auch hier haben sich die Gewichte zugunsten der Verlage und zuungunsten der Nutzer verschoben. Insbesondere tragen gerade diejenigen Vorschriften, die sich mit digital vorliegenden Werken befassen, den Erfordernissen einer schnellen und ungehinderten Wissenschaftskommunikation zu wenig Rechnung. Hierfür seien zwei besonders gravierende Beispiele genannt: Obwohl der Gesetzgeber eine neue Regelung für den schnellen Kopienversand aus Bibliotheken in das Gesetz eingeführt hat, liefern wissenschaftliche Bibliotheken immer noch fast ausschließlich Papierkopien. Die gesetzlichen Anforderungen an den Versand von Digitalkopien sind nämlich derart komplex und realitätsfremd, dass kaum eine Bibliothek das Risiko eines Rechtsstreits eingehen möchte.

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